• Ein schwerer Fall Deutsche Männer halten nach einer neuen Studie in Europa den Gewichtsrekord. Womit hängt das zusammen?

Zeitung Heute : Ein schwerer Fall Deutsche Männer halten nach einer neuen Studie in Europa den Gewichtsrekord. Womit hängt das zusammen?

Deutsche Männer halten nach einer neuen Studie in Europa den Gewichtsrekord

Adelheid Müller-Lissner

Deutschland hält einen Europarekord – allerdings einen, auf den sich kein Land etwas einbilden kann. Wie Eurostat, das Statistische Amt der EU, in seinem gerade erschienenen Jahrbuch berichtet, gibt es in keinem europäischen Land mehr dicke Männer: 48 Prozent der Männer haben einen Body-Mass-Index zwischen 25 und 29 (Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Größe in Metern im Quadrat), fast 19 Prozent sind mit einem BMI über 30 sogar als fettleibig einzustufen. Zusammen sind es also fast 67 Prozent der deutschen Männer, die zu viel Gewicht auf die Waage bringen. Betrachtet man nur den Anteil der fettleibigen Männer, dann sind allerdings Malta mit 25 Prozent, England mit 22,3 Prozent und Ungarn mit 19,7 Prozent führend. Dort scheint es jedoch gleichzeitig weniger korpulente Männer mit leichterem Übergewicht zu geben. Insgesamt sind unter lettischen, estnischen und französischen Männern die wenigsten Übergewichtigen zu finden. Dass Franzosen und Norditaliener in der Regel schlanker sind als Briten, Süditaliener oder Griechen, wird zum größten Teil auf ein anderes Körper- (und Mode-)Bewusstsein zurückgeführt.

In allen Mitgliedsländern gibt es weniger übergewichtige Frauen als Männer. Das Männerproblem scheint dabei typischerweise eine Gewichtszunahme im Alter zwischen 20 und 45 Jahren zu sein – wenn die Männer häuslicher werden und möglicherweise karrierebedingt auch weniger Sport treiben. „In dieser Zeitspanne tut sich etwas“, sagt der Epidemiologe Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke (DIfE). Er sieht das mit besonderer Sorge, weil eine Gewichtszunahme in jungen Jahren das Risiko, später einen Diabetes zu entwickeln, besonders stark erhöht. Schon zwei bis drei Kilo, die im Alter zwischen 25 und 40 hinzukommen, lassen es um 25 Prozent steigen. „Der Zusammenhang vor allem zwischen dem Bauchfett und der Zuckerkrankheit ist inzwischen eindeutig gesichert“, sagt Boeing. Auch für Herz und Gefäße ist ein zu hohes Gewicht schädlich, vor allem in Kombination mit zu hohem Blutdruck. Stärkeres Übergewicht erhöht zudem das Krebsrisiko. Inzwischen gibt es deshalb zahlreiche medizinisch begleitete Ernährungs- und Bewegungsprogramme fürs Abspecken, dazu kommen einige Medikamente, die beim Abnehmen helfen. „Was uns fehlt, sind aber gute Konzepte dafür, wie man durch das ganze Erwachsenenalter hindurch schlank bleiben kann“, sagt Boeing.

Nur für eine Minderheit der Korpulenten bleibt ein Trost, der aus der Altersmedizin kommt: Übergewichtige, die den 75. Geburtstag erreicht haben, haben eine höhere Lebenserwartung als gleichaltrige Dünne. Die Chancen, so alt zu werden, stehen allerdings für die Schlanken besser.

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