Zeitung Heute : Ein Silberstreif am Horizont

Die deutschen Raumausstatter sehen ihre Branche nach schwierigen Jahren nun leicht im Aufwind. Steigende Absatzchancen für die Zukunft machen sie vor allem beim Sonnenschutz aus

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Von Heiko Schwarzburger Hinter dem Raumausstatter verbirgt sich ein altes, traditionsreiches Handwerk: Er nutzt textile Materialien aller Art, um die Lebensqualität zu verbessern. Diese Fachleute bringen Farbe, Form und Materialien in kreativer Weise zusammen – auf dem Boden, an den Wänden und an der Decke, für private Wohnräume, Ateliers, Büros, Theater, Konzerthallen, Museen, Hotels und Gaststätten. Zur Branche zählen auch die Polsterer, die sich der Veredelung von Möbeln widmen. Nach schwierigen Jahren sieht dieses Handwerk nun „einen Silberstreif am Horizont.“

Mit diesen Worten präsentierte Ulrich Marx, Geschäftsführer des bundesweiten Zentralverbandes Raum und Ausstattung, im Sommer die Ergebnisse einer Konjunkturumfrage unter den rund 5000 Innungsbetrieben der Branche. Demnach greift unter den Raumausstattern und Sattlern eine leichte Erholung um sich: Im Geschäftsjahr 2004 machten 36,5 Prozent der Betriebe einen Umsatz von 200 000 bis 500 000 Euro. Im Jahr zuvor waren es noch zwei Prozent weniger gewesen. Über zwölf Prozent der Betriebe erreichten mehr als eine Million Euro, gegenüber 10,7 Prozent im Jahr 2003.

Mit dem bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres 2005 sind die Raumausstatter aber eher unzufrieden. Etwa 30 Prozent gaben an, dass der Umsatzverlauf im Frühjahr 2005 schlechter gewesen sei als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Für das Gesamtjahr rechnen nur knapp 19 Prozent mit Umsatzsteigerungen. Aber immerhin: Die Stimmung scheint deutlich besser als im Herbst 2003, als 43 Prozent der Raumausstatter noch zum Teil deutlich sinkende Umsätze prognostizierten. Das wichtigste Geschäft der Raumausstatter sind Dekorationsarbeiten. Damit erzielen sie fast 30 Prozent ihrer Gesamtumsätze.

Auch der Umsatz der Polsterer stieg gegenüber 2003 um knapp fünf Prozent und macht nun 26,2 Prozent des gesamten Umsatzes der Branche aus. Bodenbeläge sind wieder im Aufwind, sie steuern mehr als ein Fünftel (21,8 Prozent) zum Geschäft bei. Der Sonnenschutz – ein relativ junges Betätigungsfeld – hat mittlerweile einen Umsatzanteil von 13,9 Prozent erreicht.

Allerdings blieb das traditionsreichste Arbeitsgebiet des Raumausstatters, die Wand- und Deckengestaltung, weiterhin deutlich gegenüber den anderen Bereichen zurück: Es bringt nur noch 3,4 Prozent des Umsatzes ein. Branchentypische Nebenleistungen wie Gardinenreinigung oder der Verkauf von Kleinmöbeln gingen um 15,6 Prozent deutlich zurück. „Die Raumausstatter konzentrieren sich wieder auf ihr Kerngeschäft“, kommentierte Verbandsgeschäftsführer Ulrich Marx.

Interessant ist auch die Zukunftsprognose der befragten Raumausstatter. Während sie bei der Dekoration und den Polstern eine Stagnation erwarten, glauben viele Betriebe, dass beim Bodenbelag die Talfahrt gestoppt ist. Auch für Tapeten steigen die Absatzchancen, dort hatte der Markt in den vergangenen Jahren mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Richtiger Optimismus verbreitet sich nur beim Sonnenschutz, bei dem 14 Prozent der Betriebe mit steigenden Umsätzen rechnen.

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