Zeitung Heute : Ein Sportwagen mit sieben Sitzen

Ingo von Dahlern

Was ein Sportwagen ist und wie er aussieht, das weiß eigentlich jeder. Und so kommt kaum jemand auf die Idee, dass der in diesen Tagen bei den Opel-Händlern auftauchende Opel Zafira mit dem Kürzel OPC an Bug und Heck in diese Kategorie gehören könnte. Ein Minivan, noch dazu einer mit bis zu sieben Sitzen, der kann nach bisherigen Vorstellungen einfach kein Sportwagen sein. Dennoch ist er einer. Einer allerdings, der ganz anders ist als all das, was man bislang als Sportwagen ansieht.

Denn ob man es mit einem Sportwagen zu tun hat oder nicht, ist nicht allein eine Frage der Optik. Das beweisen zum Beispiel schon seit den Neunzigern so flotte Volvo-Kombis wie der 850 T-5R oder auch so ausgeprägte Hochleistungssportler wie der Audi Avant RS2. Und wenn es überzeugende Sportler im klassischen Kombi-Gewand gibt, warum dann nicht auch in dem eines kompakten Minivans? Überraschend dabei ist weniger, dass es nun auch solche Sportler gibt, sondern dass es sie erst jetzt gibt und bislang kein anderer Minivan-Produzent auf die Idee gekommen ist, ein solches Auto zu bauen.

Zugegeben, schon mancher VW-Bus mit Oettinger-Tuning gab sich schon vor Jahrzehnten betont sportlich. Aber das waren relativ seltene Sondermodelle. Doch was Opel nun mit dem Zafira OPC auf die Räder gestellt hat, ist ein regelrechtes Serienauto - wenn auch eines, das nicht gerade zur Massenware zählt. Aber die 5000, die allein für 2002 für Europa vorgesehen sind, sind schon eine respektable Größe.

Natürlich signalisiert der Zafira OPC mit zahlreichen Design-Elementen, dass er sich von der großen Serie abhebt. So zum Beispiel mit seiner heruntergezogenen Front mit dem großen Kühllufteinlass, den individuellen Stoßfängern an Bug und Heck, den Seitenschwellern und den ganz speziellen 17-Zoll-Leichtmetallrädern mit Reifen 225/45 R 17. Und auch die weiß unterlegten Instrumente, die guten Seitenhalt gebenden Recaro-Sportsitze in Teillederausführung und das griffige Lederlenkrad unterstreichen, wenn auch sehr zurückhaltend, dass man hier in einem besonderen Zafira sitzt. Doch richtig überrascht ist man, wenn man den Motor anlässt und den Zafira OPC erstmals bewegt.

Schon der erste Tritt aufs Gaspedal signalisiert spontane und zugleich souveräne Kraftentfaltung. Denn diesem Auto genügen laut Datenblatt gerade einmal 8,2 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 - ein Wert, den man ihm schon nach wenigen Kilometern gern glaubt. Das gilt auch für die maximal

220 km/h Höchstgeschwindigkeit, die auszufahren allerdings durch Tempolimits untersagt war.

Doch ein Sportler soll ja nicht nur schnell auf der Geraden sein, sondern kontrolliert schnell auf anspruchsvollen Strecken. Seine besonderen Qualitäten zeigen sich, wenn man ihn zügig über kurvige Bergstraßen bewegt. Und hier erwarb sich der Zafira OPC kontinuierlich Bestnoten. Es ist schon verblüffend, mit wie hohen Kurvengeschwindigkeiten man dieses Auto bewegen kann, ohne dabei befürchten zu müssen, die Kontrolle über ihn zu verlieren. Besonders überrascht hat uns dabei, wie gering die Seitenneigung des doch recht hohen Wagens ist. Und überzeugt hat zudem die extreme Elastizität des Triebwerks, das seine Arbeit kaum hörbar, dafür aber umso spürbarer verrichtet. Spürbar gingen, wenn nötig, auch die vier von einem ABS unterstützten groß dimensionerten Scheibenbremsen zur Sache. Kurzum, es bereitete viel Fahrfreude, mit diesem Auto unterwegs zu sein.

Es ist eine Menge aufwändiger Technik, die all das möglich macht. So kommt die gewaltige Kraft des Zafira OPC von einem aufgeladenen 2,0-Liter-Vierventil-Vierzylinder mit Ladeluftkühler, der eine Leistung von 141 kW (192 PS) entwickelt. Und schon bei 1950/min steht das höchste Drehmoment von

250 Nm bereit, das in dieser Höhe bis 5400/min verfügbar bleibt. Kein Wunder, dass dieser Motor nicht nur anzugsstark, sondern so ausgeprägt elastisch ist, in jeder Fahrsituation spontan auf den Tritt aufs Gaspedal reagiert. Trotzdem verbraucht er durchschnittlich nur 10,1 l/100 km und zugleich erfüllt er die Abgasnorm EU4.

Bereits das normale Zafira-Fahrwerk überzeugt durch die hohe Fahrsicherheit, die es dem kompakten Minivan beschert. Doch um so gewaltige Kräfte, wie sie der Turbomotor liefert, sicher auf die Straße zu bringen und jederzeit im Griff zu behalten, war eine Menge Feinarbeit nötig, um die Abstimmung der besonderen Dynamik des Zafira OPC anzupassen. Zum Glück waren sowohl die Karosseriesteifigkeit als auch das Grundfahrwerk des Zafira bereits auf so hohe Leistungen ausgelegt. Und in enger Zusammenarbeit mit dem DTM-Werkspiloten Manuel Reuter gelang es den Opel-Fahrwerkstechnikern mit ausgedehnten Tests auf der Nordschleife des Nürburgrings und dem Opel-Testgelände eine Abstimmung zu finden, die einerseits optimale Sicherheit und hohen Komfort bietet und andererseits auch noch Raum für Fahrfreude lässt. Besonders bemühte man sich dabei um die Abstimmung des zur Serienausstattung des Zafira gehörenden Fahrdynamikregelung ESP mit ihrer integrierten Traktionskontrolle - mit überzeugendem Erfolg, wie die ersten Probekilometer mit dem Zafira OPC bestätigten.

Der ist, obwohl einerseits ein überzeugender Sportler, zugleich ein uneingeschränkt alltagstaugliches Familienauto. Und das mit allen Vorzügen, die die so kompakte und variable Großraumlimousine bietet, die damit beweist, dass auch ein Siebensitzer ein überzeugender Sportwagen sein kann. 28350 Euro (55448 DM) auf den Tisch legen muss, wer Europas sportlichsten Van fahren möchte - gemessen an Fahrleistungen und Ausstattung ein durchaus attraktiver Preis.

Für Opel ist der Zafira OPC allerdings mehr als nur ein neuer Sportler in einer völlig neuen Klasse. Denn schon im nächsten Jahr wird es auch einen sehr sportlichen Astra Caravan OPC geben. Nach dem Erfolg des auf 3000 Exemplare limitierten und schnell ausverkauften Astra OPC zeigt das, dass sich Opel endlich wieder seiner viel zu lange vernachlässigten großen Sporttradition erinnert und künftig wieder mehr attraktive sportliche Fahrzeuge für breitere Kreise in seinem Programm haben wird.

Daten auf einen Blick

Karosserie: Fünftüriger siebensitziger Minivan.

Maße/Gewichte: 4,32 m lang, 1,74 m breit

1,63 m hoch, Radstand 2,69 m, Zuladung

525 kg, Kofferraum 150- 1700 l, Tank 58 l.

Antrieb: Aufgeladener 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Vierventiltechnik mit Ladeluftkühler und einer Leistung von 141 kW

(192 PS), Fünfgang-Getriebe, Frontantrieb.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorn mit Federbeinen, hinten Verbundlenkerachse, Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, vier Scheibenbremsen, ABS mit elektronischer Bremskraftverteiluing, Fahrdynamikregelung ESP mit integrierter Traktionskontrolle TC plus, 17-Zoll-Leichtmetallräder mit Reifen 225/45 R 17.

Fahrleistungen: 8,2 s von Null auf Tempo 100, maximal 220 km/h.

Verbrauch: Durchschnittlich 10,1 l/100 km, Emissionseinstufung EU 4.

Preis: 28 350 Euro (55 448 DM).

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