Zeitung Heute : Ein Tag voller Tage

Der Tagesspiegel

Von Christian van Lessen

Diese Zeilen hätten, auf den Tag genau, gestern erscheinen müssen, um richtig zu wirken, um froh oder nachdenklich oder auch betroffen zu machen. Aber wir hatten einfach vergessen, diesen Tag rechtzeitig zu würdigen. Holen wir’s schnell nach, mit schlechtem Gewissen und in der Hoffnung, es uns wirklich ein für allemal, wie es so schön heißt, hinter die Ohren zu schreiben.

Also: Gestern war der internationale Tag des Waldes, in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des zu schützenden Bergwaldes. Außerdem war der Tag der Poesie. Und es war der Antirassismus-Tag.

Der gestrige Donnerstag war auch Tag der Kinderliteratur. Das alles haben wir nicht gemerkt, zumindest nicht rechtzeitig. Es ist eine lahme Entschuldigung: Aber die üblichen Tageskalender verraten solche Feinheiten leider nicht. Selbst der schon traditionelle Frühlingsanfang ist oft und vielleicht aus gutem Grund nicht im Kalender vermerkt. So haben wir – wie peinlich – selbst diesen wichtigen Termin als Tag des Frühlings nicht zeitgemäß und mit vorwurfsvollem Blick gen Himmel gewürdigt.

Wir haben gar den bangen Verdacht, dass es noch viel mehr Tage gestern gab, von denen wir und vielleicht auch andere nichts mitbekommen haben. Feierte der Senat schon verstohlen den Tag des Sparhaushalts? Gibt es bald gar den Tag des Tages, der alle Tage in den Schatten stellt, weil er täglich gewürdigt und gefeiert wird, damit ihn wirklich keiner mehr vergessen kann?

Für uns war gestern auch der Tag des Schwarzen Tages. So was von Vergesslichkeit soll uns nicht noch mal passieren. Deshalb, und eh’ wir’s wieder vergessen: Heute ist der Tag des Wassers. Mindestens.

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