Zeitung Heute : „Ein Ticket Clinton/Obama wäre schwer zu schlagen“

Der Kandidat der Republikaner steht so gut wie fest: John McCain. Wer hätte gegen ihn die besseren Chancen – Clinton oder Obama, Herr Braml?

Ich denke, dass Obama gegen John McCain die besseren Chancen hätte. Er spricht eher die unabhängigen Wähler an, sie machen ein Drittel der gesamten Wählerschaft aus. Andererseits könnte eine Kandidatur Hillary Clintons dazu führen, dass die republikanischen Wähler stark mobilisiert werden. Vor allem sehr rechten Republikanern gilt Hillary Clinton immer noch als Teufel. Manche Republikaner beten schon, dass sie nominiert wird. Um seine Chancen zu erhöhen, müsste sich John McCain auf der republikanischen Seite aber auch den Segen der christlichen Rechten holen. Das kann er wohl nur, wenn er Mike Huckabee als Vizepräsidentschaftskandidaten mit auf sein Ticket holt. George W. Bush hatte 40 Prozent seiner Wähler der christlichen Rechten zu verdanken. Sollten diese Wähler zu Hause bleiben, dann wird es für die Republikaner sehr schwierig. Obama könnte anders als Clinton dazu beitragen, dass der Widerstand dieser Gruppe gegen die Demokraten nicht allzu groß wird. Obama gilt als religiös, er spricht eine sehr religiöse, teilweise auch evangelikale Sprache, die ihn in den Augen der christlichen Rechten nicht ganz so verdächtig erscheinen lässt.

Wie wirkt es sich aus, dass John McCain in den traditionellen Südstaaten nicht allzu gut abgeschnitten hat?

Das ist eben auf den Einfluss der christlichen Rechten zurückzuführen. Hier geht es nicht nur um Wähler, sondern auch um ein Organisationsgeflecht, das hier an der Graswurzel arbeitet. Man darf nicht vergessen, dass es bei den rechten Christen um Strukturen geht, die in den vergangenen 30 Jahren von Politunternehmern geschaffen wurden. Es wird oft gesagt, dass Mike Huckabee wenig Geld hätte. Das braucht er aber auch nicht. Er hat eine andere Währung. Das ist eben diese Infrastruktur christlich-rechter Organisationen. Die ist wichtig in republikanischen Wahlkämpfen. Deshalb wird John McCain weiterhin gewisse Schwierigkeiten haben in den Südstaaten und auch im Mittleren Westen.

Ist es für die Demokraten ein Nachteil, dass der Kandidat der Republikaner so gut wie feststeht, der interne Wahlkampf zwischen Obama und Clinton aber weitergeht?

So lautet das gängige Urteil, dass in einem Zweikampf zwischen Obama und Clinton so viel Blut gelassen wird und dass am Ende John McCain als lachender Dritter übrig bleibt. Das könnte aber eine Milchmädchenrechnung sein, wenn man die Wirkung der Medien nicht berücksichtigt. Wenn die beiden sich gesittet um Themen streiten sollten, dann haben sie die wohlwollende Aufmerksamkeit der Medien und potenzieller Wähler. Kandidaten müssen ja eigentlich sehr viel Geld ausgeben, um diese Aufmerksamkeit zu bekommen. Jetzt können sie diese aber umsonst bekommen. Andererseits muss McCain dann schon versuchen, hip zu bleiben. Die Medien stürzen sich auf Zweikämpfe, und damit müsste McCain sehr viel Geld ausgeben, um weiterhin im Gespräch zu bleiben.

Manche Demokraten hoffen schon auf ein „Dream Team“, bei dem Hillary Clinton als Kandidatin antritt und Barack Obama ihr Bewerber für die Vizepräsidentschaft wird. Wie wahrscheinlich ist das?

Wenn man Leute befragt, die näher an den beiden Kandidaten dran sind, dann gibt es hier doch viel böses Blut. Es ist nicht sicher, ob die beiden Teams wirklich kompatibel sind. Es geht ja nicht nur um die Kandidaten, sondern später auch um Jobs für die jeweiligen Teams. Hier hat jede Seite schon ihre Leute. Ein anderer Faktor ist: Will Hillary Clinton wirklich diesen charismatischen Barack Obama neben sich haben? Sie hat lange genug im Schatten eines doch sehr charismatischen Mannes gestanden. Aber das ist eine sehr persönliche Frage, die wahrscheinlich nur Hillary Clinton beantworten kann.

Wäre ein Ticket Clinton/Obama für die Republikaner zu schlagen?

Das wäre sicherlich schwer zu schlagen. Aber wenn man sich die bisherigen Vorwahlen anschaut, dann hat Hillary Clinton doch sehr starke Vorteile bei den hispanischen Wählern, die als Gruppe immer wichtiger werden. Hier wäre auch Bill Richardson ein Kandidat für die Vizepräsidentschaft, der Gouverneur von New Mexico, der bereits in der Administration von Bill Clinton vertreten war. Er könnte die Hispanics ansprechen. Zumal auf der anderen Seite auch McCain versucht, diese Wähler einzubinden. Er hat es auch nicht leicht, weil er hier Teile seiner konservativen Basis gefährden kann. Er hat sich im Kongress für eine liberale Einwanderungspolitik starkgemacht, vor allem mit Blick auf die Hispanics. Die große Gefahr für die Demokraten ist, dass sie es nicht schaffen, die beiden großen Minderheiten der Hispanics und der Schwarzen für sich zu mobilisieren.

Was bedeutet das Ergebnis des Super Tuesday für die weitere politische Entwicklung in den USA?

Das politische System der USA ist ein System der „Checks and Balances“. Die Legislative, namentlich der Kongress, hat hier ein Eigenleben. Wir sollten nicht vergessen, dass im Herbst auch das Repräsentantenhaus und Teile des Senats gewählt werden. In der Handelspolitik etwa wird der Kongress bald wohl protektionistischer eingestellt sein. Da kann jeder Präsident Schwierigkeiten bekommen, egal wer.

Josef Braml ist USA-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Das Gespräch führte Fabian Leber.

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