Zeitung Heute : Ein virtueller Rundgang zeigt, was es zu sehen gibt - Vom Picasso bis zur Pfefferminze

Helmut Merschmann

Zu den repräsentativen Erfordernissen von Museen gehört ihre Präsenz im Internet. Fast alle großen Häuser, aber auch die vielen kleinen, schwören auf die eigene Homepage. Mal komplex gestaltet, mal weniger aufwändig, haben die meisten Musentempel die Zeichen der Zeit erkannt und stellen sich und ihr Angebot im Internet vor. Dort finden sich unzählige Sammlungen zu allem Möglichen, vom Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen ( www.deutsches-uhrenmuseum.de ) über das Zeppelin-Museum am Bodensee ( www.zeppelin-museum.de ) bis zum Pfefferminzmuseum in Eichenau ( www.minzmuseum.de ).

Namhafte Häuser wie das Dresdner Hygiene Museum ( www.dhmd.de ) oder die Hamburger Kunsthalle ( www.hamburger-kunsthalle.de ) dürfen kaum fehlen. Dem Kulturtouristen bietet eine nach Städten geordnete Liste einen Überblick über die deutsche Museumslandschaft ( www.hco.hagen.de/vlmp/vlmp-dt.htm ), an deren Ende sich ein Link zu internationalen Adressen befindet. Auch unter www.webmuseen.de wird man schnell fündig. Mit ihrem Auftritt in den neuen Medien, ganz gleich ob im Internet oder auf CD-ROM, wollen die Museen den Schritt in die Informationsgesellschaft gehen und dabei neue "Wirkungsdimensionen" erschließen, ohne ihre "örtliche Realität" zu verlieren. So formuliert es eine von der VW-Stiftung geförderte Studie zu den "Nutzungspotentialen von Museums-Außenrepräsentanzen durch neue Medien", die vom Fachbereich Publizistik der FU Berlin und dem Institut für Museumskunde momentan durchgeführt wird.

Erforscht wird, aus welchem Grund und mit welcher Absicht sich Leute auf Museums-Websites tummeln und was sie idealerweise dort erwarten. Kaum ein Museum kann es sich mehr leisten, auf die Möglichkeiten der Selbstdarstellung per Internet oder CD-ROM zu verzichten. Die meisten Ausstellungsstätten begnügen sich mit Vorankündigungen für ihre Projekte, mit Adressangaben und Wegbeschreibungen. Kaum eines nutzt die Möglichkeiten der neuen Medien voll aus. Diese Erfahrung hat auch Petra Schuck-Wersig, Leiterin der Internetumfrage, gemacht. Gerade die Kunstmuseen seien auf "traditionelles Sammeln, Bewahren und Forschen" bedacht, es "herrscht eine konservative Präsentation vor". Kommen sie auf die neuen Medien zu sprechen, fiele schnell das Schimpfwort "Disneyland", mit dem sich die Kunsttempel nur ungern identifizieren lassen möchten. "Man ist dort schon stolz auf die Kassettenführungen."

Weitaus fortschrittlicher geben sich die Technikmuseen, die Teile ihrer Sammlungen ins Netz stellen. In der virtuellen Dependance des Deutschen Technikmuseums Berlin ( www.dtmb.de ) lässt sich ein Rundgang antreten, bei dem man in zwei Geschwindigkeiten horizontal nach rechts und links scrollen kann, vorbei an den einzelnen Abteilungen, zu denen Einführungstexte bereit gestellt werden. Beim Forum der Technik in München ( www.fdt.de ) kann man den Projektionsraum des Imax 3D-Kinos betreten und sich per Quick Time dort richtiggehend umschauen. Eine rein virtuelle Stätte, die nur im Internet zu erreichen ist, bildet das Museum für Industriekultur ( www.industriekultur.de ). Dagegen fallen die Informationen auf den Seiten der Stiftung Preussischer Kulturbesitz ( tarantula.smb.spk-berlin.de ) relativ dürftig aus. Immerhin sind sie ansprechend aufgemacht und aktuell, beschränken sich jedoch auf die Sammlungsschwerpunkte der einzelnen Häuser und auf einige wenige Abbildungen. Amerikanische Pendants wie das Museum of Modern Art ( www.moma.org ) oder das Guggenheim Museum ( www.guggenheim.org ) sind da viel weiter, ebenso der Pariser Louvre ( www.louvre.fr ), wo Künstlerindexe, ausführliche virtuelle Touren sowie ganze Webkunst-Projekte auf den Homepages untergebracht sind.

Allenfalls das Deutsche Historische Museum ( www.dhm.de ) kann mit seiner Website da heranreichen. Das DHM wird, den Ergebnissen der Studie zu Folge ( www.kommwiss.fu-berlin.de/forschung/vw/german/ ), auch von den meisten museumsinteressierten Surfern angesteuert, von über 25 Prozent. Die "Drehscheibe des deutschen Museumsbereichs" bietet ein gewaltiges Bildarchiv, QTVR-Panoramen, Webcams sowie ein in Kooperation mit dem Haus der Geschichte in Bonn unterhaltenes "Lebendiges Online-Museum ( www.dhm.de/lemo/ ) zur deutschen Historie.

Ein solcher Service würde sicherlich auch anderen Museen gut zu Gesicht stehen. Es sollte mittlerweile eine Selbstverständlichkeit sein, dem Kulturinteressierten detaillierte Informationen zur Verfügung zu stellen. Dass der Besuch einer Homepage den des Museums ersetzt, ist wohl kaum zu befürchten und wurde bereits von der Studie widerlegt. Im Web-Museum wird die Möglichkeit zur Vor- und Nachbereitung eines Museumsgangs gesucht und nicht dessen Ersatz. In dieser Hinsicht wären weitere Serviceleistungen denkbar, etwa verbesserte Suchfunktionen und eine präzise Verlinkung mit anderen Häusern, die ähnliche Sammlungsschwerpunkte aufweisen. Zur Zeit läuft der zweite Teil der Studie, die Online-Umfrage ( www.museum.fu-berlin.de/ ), an der jeder teilnehmen und über seine Erfahrungen berichten kann. Wem der virtuelle Museumsbesuch nicht ausreicht, kann unter www.smb.spk-berlin.de/nacht nachschauen: Da steht das Veranstaltungsprogramm der Langen Nacht der Museen.

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