Zeitung Heute : Ein Virus wird besiegt

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Im Schwimmbad sind die Altersgruppen leicht zu trennen: Wer am Oberarm eine Narbe hat, ist mindestens 26. Bis zum Jahr 1976 begann und endete die Kindheit mit der Pockenschutzimpfung: Säuglinge und 12Jährige wurden durch oberflächliche Hautschnitte mit dem abgeschwächten Virus bekannt gemacht.

Wie wirksam diese Urmutter aller Impfungen war, veranschaulichen Berichte aus dem 17. und 18. Jahrhundert, der Blütezeit der Pocken in Europa. „Wenn ein Heer von 30 000 Mann gegen eines von gleicher Größe antrat, konnte man sicher sein, dass auf jeder Seite etwa 20 000 Pockennarbige standen", schrieb etwa Voltaire 1759 in seinem Roman „Candide“. Die Pocken waren deutlich ansteckender als die andere große Seuche, die Pest, eine bakterielle Infektion. Für 20 bis 50 Prozent der Infizierten endete sie tödlich.

Der Durchbruch im Kampf gegen die Pocken gelang einem englischen Landarzt: Edward Jenner hatte beobachtet, dass Mägde, die sich beim Melken mit den Kuhpocken infiziert hatten, ihre schöne Haut behielten. Im Jahr 1796 machte er den gewagten, jedoch glücklicherweise erfolgreichen Versuch, einen kleinen Jungen zunächst mit Eiter aus einer Pustel von der Hand einer Kuhmagd, einige Wochen später mit echten Pocken zu infizieren. Die Impfung erwies sich als so erfolgreich, dass sie im 19. Jahrhundert in vielen Ländern zur Pflicht erklärt wurde, in Deutschland im Jahr 1874.

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