Zeitung Heute : Ein weiteres Stück Krimi jenseits des Klischees - die Geschichte einer doppelten Vergewaltigung (Fernsehkritik)

Uta-Maria Heim

Stahlnetz: Der Spanner. ARD. Ein Sexualstraftäter wird für eine Serie von Vergewaltigungen zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, sitzt die Hälfte davon ab, wird als "geheilt" entlassen und verfolgt eines seiner früheren Opfer. Er vergewaltigt die junge Frau, die noch unter dem Trauma leidet, ein zweites Mal. Wäre diese Geschichte erfunden, so käme sie uns überzogen vor, aber sie ist wahr. Der Fall stammt aus den Akten der Kripo. Wie alle Stories aus der "Stahlnetz"-Reihe hat hier das Leben das Drehbuch geschrieben, Jessica Schellack und Thomas Bohn entwickeln daraus einen spannend erzählten TV-Thriller.

Nett unterhalten fühlt man sich dabei trotzdem nicht, dafür ist die Handlung zu beklemmend. Der Film macht einen vielmehr fassungslos, denn der Täter bekommt von der Gesellschaft viel Verständnis. Und niemand hält einen Schutz für die Opfer bereit. Die Polizei greift immer erst dann ein, wenn es zu spät ist. Und falls man dort dennoch einem echten Freund und Helfer begegnet, so ruiniert der sich in seinem Alleingang nur selbst.

"Stahlnetz" entwickelt ein völlig anderes Menschenbild als der gewohnte, fiktive Fernseh-Krimi. Der ist nämlich fast immer sexistisch. Es gibt derzeit kaum Krimi-Beispiele, wo Frauen mehr sind als Klischees. Das ist hier nicht so. Die Frauen behalten auch als Opfer ihre innere Eigenständigkeit. Aber was ist das Leben einer Frau - einmal juristisch gesehen - eigentlich wert?

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