Zeitung Heute : Ein wenig Wärme

Der Tagesspiegel

Von Tanja Buntrock

An einem eiskalten Februartag im vergangenen Jahr zog der Fotograf Daniel Rosenthal los, ausgerüstet mit einem Schlafsack und einer Kamera, und begleitete einige Jugendliche, die wie einige tausend andere, auf den Straßen Berlins leben. Die Stadt ist Anziehungspunkt für Straßenkinder aus der gesamten Republik. Die meisten von ihnen haben in ihren Familien physische und psychische Gewalt erfahren. Sie leben in ständigem Stress auf der Suche nach einem Schlafplatz, etwas zu essen und ein wenig Zuneigung. Irgendwann ist dieses Leben für viele nur noch mit Drogen auszuhalten.

Fotograf Rosenthal begleitete die „Straßenkids“ mehrere Monate lang. Seine Erfahrungen hat er in dem Fotobuch „Mitten am Rand. Wir Kinder vom Alexanderplatz“ dokumentiert. „Ich habe mich mit den Mitarbeitern vom „Karuna Mobil“, die am Alexanderplatz stehen und den Straßenkindern helfen, zusammengetan. Die haben mir den Kontakt zu ihrem Klientel hergestellt“, erzählt Rosenthal. Texte, geschrieben von einigen Straßenkindern - stellvertretend für die anderen- begleiten die Fotos. So schreibt „Snoopy“, 23, über seine Erfahrungen auf der Straße: „Die Freiheit hatte er vergessen, er brauchte sie nicht mehr. Jedes Mal, wenn er sich die Nadel in den Arm rammte, war alles vergessen. Alles weg. Vielleicht war das ja genau die Freiheit, die er suchte.“

Der „ Zeitdruck“-Verlag, in dem das Buch erschienen ist, gehört zu einem der acht Langzeitprojekte von „Karuna e.V.“. Die Berliner Hilfsorganisation kümmert sich seit zehn Jahren um Straßenkinder, benachteiligte und drogenabhängige Kinder und Jugendliche. Jörg Richert, Geschäftsführer des 50 Mitarbeiter starken Vereins: „Wir versuchen möglichst früh Hilfe zu leisten. Das fängt bei einer warmen Mahlzeit an, geht über Hinweise zur Hygiene, ärztliche Hilfe oder die Vermittlung von Plätzen in betreuten Wohngemeinschaften.“

Bei der gestrigen Präsentation von Rosenthals Buch im Kino International, bei der auch Christina Rau, die Frau des Bundespräsidenten anwesend war, sagte Richert: „Die Situation der Straßenkinder kann man nur verbessern, wenn die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht wird.“ Das geht am besten, wenn eine Werbeagentur diese Aufgabe übernimmt. Für „Karuna“ haben sich die Mitarbeiter der Kommunikationsagentur „Vaporisateur“ Gedanken gemacht – unentgeltlich, denn wie allen sozialen Einrichtungen fehlt es dem Verein an Geld. Herausgekommen sind ein Plakatmotiv und zwei Werbespots. Das Bild zeigt die auf Asphalt gemalten Kreidekonturen eine Mädchens und eine Alkoholflasche. „Die Aussage Straße-Kind-Tod-Alkohol wird klar kommuniziert“, erklärt Martin Machura von „Vaporisateur“. Die Kurzfilme „Kreidespuren“ und „Blank Page“ setzen sich beide mit der Vergänglichkeit des Lebens auf der Straße auseinander. Zu sehen ist die Kampagne Ende des Monats auf Plakatwänden sowie im Fernsehen und Kino – sofern sich weitere Unterstützer in Druckereien und beim Filmverleih finden.

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