• Einchecken zur Reise ins neue Jahrtausend - die Lufthansa simuliert auf einem Flug die Umstellung der Computer zum Jahreswechsel

Zeitung Heute : Einchecken zur Reise ins neue Jahrtausend - die Lufthansa simuliert auf einem Flug die Umstellung der Computer zum Jahreswechsel

Rolf Obertreis

Dass an jedem Platz das neueste Lufthansa-Magazin mit einem Beitrag über "Die Angst, abzuheben" steckt und dabei die unguten Gefühle des Schauspielers Til Schweiger beim Fliegen beschrieben werden, ist Zufall. Aber es passt zu diesem außergewöhnlichen Flug an diesen späten Donnerstagabend. LH 8852 startet auf Frankfurt Rhein-Main mit dem Ziel Frankfurt Rhein-Main. Also doch nichts Besonderes, ein Rundflug nur, oder? Rein äußerlich betrachtet ist das so. Doch die Lufthansa-Ingenieure haben die Uhren umgestellt. Als am Flugsteig A 1 des Frankfurter Flughafens rund ein Dutzend Kamerateams und mehrere Dutzend Hörfunk- und Zeitungsjournalisten einchecken, wagen sie eine Reise in die Zukunft. Es ist nicht der 28. Oktober 1999, sondern bereits der 31. Dezember 1999. "Wir haben im Flugzeug eine falsche Software eingebaut, wir betrügen die Maschine"" wird Flugkapitän Jens Olthoff später in der A319-100, getauft auf den Namen "Schweinfurt" sagen.

Olthoff gehört zum Lufthansa Team Y2K, das seit über drei Jahren mit der Umstellung der Jets, Buchungs- und Reservierungssysteme und aller anderen Computer von Lufthansa auf das neue Jahrtausend befasst ist. Das Einchecken geht schnell, im Wartebereich geben Olthoff, Axel Raab von der Deutschen Flugsicherung (DFS) und Michael Kraft, der Jahr-2000-Experte des Frankfurter Flughafens (FAG) einen Überblick über die Anstrengungen der vergangenen Jahre und über das was bis zum richtigen 31. Dezember noch getan werden muss. Tenor: "Zu 95 Prozent sind wir für den Jahreswechsel fit."

Airbus und Boing haben der Lufthansa schon vor einiger Zeit eine Unbedenklichkeitserklärung vorgelegt: Die von ihnen gebauten Jets fliegen sicher ins neue Jahrtausend. Am Boden hat Lufthansa, sagt Flugkapitän Olthoff, alle ihre derzeit 303 Jets geprüft. Und über 80 Millionen Mark ausgegeben, um auch Buchungs- und Reservierungssysteme fit zu machen. "Beanstandungen sind nicht aufgetreten", sagt der hochgewachsene Hanseat. Jeder Passagier, der in der Silvesternacht in einem der vermutlich 48 Jets sitzt, die dann für Lufthansa in die Luft sind, kann dies beruhigt tun. Und wenn doch Probleme auftauchen, werden Kontroll-Teams schnell reagieren können.

Olthoff erklärt weitere Details, leichte Turbulenzen bringen den Jet ins Wackeln. Die Uhr steht auf 23 Uhr 59. Im Cockpit läuft alles normal. Die Uhr springt um: 00 Uhr 00, 1. Jan. Das neue Jahrtausend ist da. "Im Cockpit läuft weiter alles normal" sagt Olthoff gelassen. Der Jahr-2000-Testflug endet planmäßig, um 00 Uhr 24 - am 29. Oktober 1999 auf Rhein-Main. "Wir hoffen, sie haben sich an Bord wohl gefühlt", sagt Kabinenchef Peter Jilke zum Abschied. "Und vor allem sicher."

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