Zeitung Heute : Eine Anthologie aus dem Internet

Gregor Dotzauer

Ist das ein Buch? Wenn man den Gummi vom schwarzen Schutzkarton abnimmt, fallen einem 26 lose, unaufgeschnittene Druckbögen entgegen. Das Ganze will irgendwie mit Gewalt anders sein. Andererseits: War das von Thomas Hettche und Jana Hensel betreute Internet-Projekt "NULL" ( www.dumontverlag.de/null ) jemals eine nur im elektronischen Medium mögliche Angelegenheit? Die Texte von Helmut Krausser, Thomas Meinecke und Stefan Beuse, von Terézia Mora, Julia Franck und Judith Kuckart waren nur in Teilen von der digitalen Welt infiziert - und unterschieden sich von einer herkömmlichen Anthologie vor allem dadurch, dass man ihr beim Wachsen zusehen konnte. Das wussten auch die Autoren und schrieben gelegentlich stillschweigende Antworten auf Texte, die zuvor erschienen waren. "NULL" ist seit Ende 1999 abgeschlossen, die Website ein Museum und das Buch fast so etwas wie ein Grab, auch wenn sich viele Beiträge immer noch äußerst lebendig lesen. Wo spielt die Musik? Was ist der Ort der Literatur? "NULL" zeigt: Der interessanteste virtuelle Raum ist immer noch der Kopf.NULL. Literatur im Netz. Herausgegeben von Thomas Hettche und Jana Hensel. DuMont, Köln 2000. 406 Seiten, 49,90 DM.

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