Zeitung Heute : Eine CD-ROM über neue, kreative Arbeitsfelder

Stefanie Grupp

Was macht ein Designer, wenn er bereits alle Lebensbereiche mit zugehörigen Accessoires bearbeitet hatte? Leslie Becker zum Beispiel: Es gibt praktisch kein Material, keine Oberfläche und keinen Gebrauchsgegenstand, an dem die 54-jährige Kalifornierin nicht schon Hand angelegt hätte. Sie verlieh Badezimmern, Firmenbriefpapier und den Innenräumen bemannter Weltraumstationen neuen Schick. Und für das New Yorker Standard-Oil-Gebäude entwickelte sie zuletzt ein internes Ausschilderungssystem, damit Exxon-Mitarbeiter nicht die Orientierung verlieren in ihrem 54-stöckigen Firmensitz.

Als besonders fruchtbarer Boden erwiesen sich die Computergrafiken aus den Sechziger Jahren, die heute aus der Branche nicht mehr wegzudenken sind. Der weltweit erste Grafikdesigner, der mit Computergrafiken arbeitete, ist Aaron Marcus. Seit 1967 entwickelt der Physiker und Princeton Absolvent virtual realities und ebnete Kollegen wie Leslie Becker eine neue Perspektive. 18 Designprofis, darunter auch Becker und Marcus, diskutierten diese Frage vor einem Jahr an der Uni Wuppertal - derjenige Ort, an dem seit 1994 "Computational Design" gelehrt wird. Mihai Nadin, Organisator der Konferenz, entwickelte diese Disziplin einer computerorientierten Theorie von Design. Die zentrale Rolle der Neuen Medien als Informations-Auslieferer dürfe gerade von Designern nicht aus den Augen verloren werden, betont Designprofessor Lew Fifield.

Computergenerierte Bilder sind nun mal nichts ohne Inhalte, weshalb Kollege Nathan Felde seine Zunft als ein Sammelbecken von Überläufern sieht, von Gesprächspartnern zwischen verschiedenen Phasen und Parteien. Das Modell des allein arbeitenden Künstlers wird zu dem eines Künstlers in einem Forum: Der Designer wird aufgefordert, Teil eines kognitiven Lernprozesses zu sein. "Design in digitaler Umgebung ist eine neue Disziplin", liest es sich auf der begleitenden CD-ROM, die jetzt erschienen ist. Die Echtzeitübertragung des Podiums ist nur einer von vielen Webcasts, die sich, versehen mit videorecorderähnlichen Bedienungs-Features, auf der Silberscheibe wiederfinden. Für Studienanfänger und Abiturienten lohnt sich ein Blick in die Sektion Computational Design, in der sich der Wuppertaler Fachbereich vorstellt. Ob die Zukunft der Design-Theorie und -Praxis gerade im digitalen Bereich von Wuppertal aus mitbestimmt wird: Nach dieser CD-ROM möchte man das gerne glauben.Weitere Infos unter

www.code.uni-wuppertal.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben