Zeitung Heute : Eine Dreiecksgeschichte

Sonnenzeit – Bikinizeit: Ein Buch schafft letzte Klarheiten

Inge Ahrens

Ihr erster Bikini war weiß und sie gerade siebzehn. Er war aus Rips und hatte erdbeerrote Paspeln. Mit ihrem ersten Bikini bekam sie auch ihren ersten Sonnenbrand, damals Anfang der Siebziger auf Mallorca. Und Myriaden von Sommersprossen, auf die sie jeden Abend fingerdick Schwanenweiß schmierte.

Die Sommersprossen sind glücklicherweise geblieben. Dem ersten Bikini folgten noch viele: zitronengelbe, blau-weiß gestreifte, geblümte und immer wieder schwarze. Der endgültig letzte Bikini war außen orange und innen himbeerrot. Ein Abschied mit Karacho.

Wie kommt der Bikini eigentlich zu seinem Namen? Das pazifische Atoll als Ort für amerikanische Nukleartests gilt als Namenspatron für das fadenscheinigste Kleidungsstück der Nachkriegszeit. Dessen Geschichte enthüllt die Journalistin Beate Berger in ihrem Bikini-Buch: amüsanter Lesestoff und eine aufregende Story dazu, die in der Antike ihren Anfang nimmt und bis heute Leib und Gemüter teilt.

Die Stoffwerdung des Triangels für die Badende ist genau genommen eine Männergeschichte. Denn Louis Réard, gelernter Autoingenieur und in Frankreich zuhause, wandte sich, seelisch gereift, vom Blech ab und hinfort Delikaterem zu. Er erfand genau ein Jahr nach Kriegsende 1946 den Bikini und erreichte mit kleinstem Stoffeinsatz gewaltiges Aufsehen. Im selben Jahr wurde die Atombombe im Bikini-Atoll getestet und verursachte dort enorme Flutwellen.

In diesem Sommer ist Glamour angesagt in den Strandkörben von Neu-Heiligendamm bis Hua Hinh. Goldlamé schürzt leichtfertig die Rundung der Hüfte, rafft raffiniert den Busen und läuft im Nacken zum glänzenden Nugget zusammen. Paco Rabanne, als Gold grabender Designer seit Jahrzehnten fündig, schlingt schlangenartig glimmerndes Drapé um die Leiber seiner Badenixen. Wem das zu hollywoodmäßig ist, der steigt vielleicht lieber in die kirschroten siebziger-Jahre-Muster von Escada oder bedeckt das Nötigste mit den bunten Warndreiecken Dolce & Gabbanas. Die Doris Day 2004 strahlt im rosa-weiß-gewürfelten Rüschenbikini.

Die Bademode ist eine Art Kleid geworden; von den Wagemutigeren werden Bikinioberteile diese Saison unter der offenen Bluse getragen. Je nach Körperbewusstsein ähnelt der Badeanzug einer einteiligen Schwimmhaut oder wird als Zweiteiler zur Pool- und Strand-Nabelschau getragen. Dabei ist der Nabel längst das neue Dekolleté, von jungen Mädchen nicht nur zur Sommerzeit Spazieren getragen. Und die Bikinimode-Prognose gleicht eher der Wettervorhersage: Es kommt sowieso anders.

In diesem Sommer wird das schon mal zu Verwicklungen führen. Zarte Trapeze verbinden Top und Höschen. Schnüre und Stege, Bänder und Kordeln machen eins aus dem Zweiteiler. Aber aus allem zwinkert dennoch der Nabel als die heißeste Verheißung im Strandparadies.

Beate Berger: Bikini. Eine Enthüllungsgeschichte. Marebuch, Hamburg 2004, 250 Seiten, 24,90 Euro.

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