Zeitung Heute : Eine elementare Sache

Jan Dirk Herbermann[Genf]

Anlässlich des heutigen Weltwassertags beklagen die UN, dass jeden Tag 4500 Kinder durch verschmutztes Trinkwasser sterben. Was müsste geschehen, um die Ressource Wasser in Zukunft zu sichern?


Über einer Milliarde Menschen fehlt es an sauberem Wasser – 2,6 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen. „Der Wassermangel ist eines der schlimmsten Probleme unserer Zeit“, warnt deshalb UN-Generalsekretär Kofi Annan. Dabei dürfte es noch viel schlimmer kommen: Bis zum Jahr 2030 werden laut UN rund zwei Drittel aller Menschen in Städten leben. Die Mehrzahl von ihnen wird unter erbärmlichen hygienischen Umständen hausen müssen. Die Folge: Die Nachfrage nach Wasser wird drastisch steigen.

Schon jetzt räumen die UN ein, dass ein Millenniumsziel der Weltgemeinschaft kaum noch zu erreichen ist: Laut Plan sollte bis zum Jahr 2015 die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser um die Hälfte verringert werden. Die Tragik: Nach den Berechnungen der UN-Fachleute „hat die Welt sehr viel Wasser“. Der Mensch aber zerstört die eigenen Vorräte – etwa durch die Verschmutzung der Reservoirs. Hier müsste also zuerst angesetzt werden. Verschärft wird die Krise durch Schlendrian. Nach Schätzungen verliert die Welt 30 bis 40 Prozent ihres Süßwassers durch verrottete Rohre und Lecks in den Leitungen.

Auch öffentliches Missmanagement verschärft das Wasserproblem: In den vergangenen Jahren floss laut UN-Berechnungen jedes Jahr Entwicklungshilfe in Höhe von durchschnittlich 3 Milliarden US-Dollar in den Wassersektor. Nach Angaben der UN-Experten lenken die Nehmerländer aber nur einen Bruchteil der Summe direkt in Wasserprogramme. Doch auch die UN selbst versagen: Eine Vielzahl von Agenturen der Weltorganisation versucht auf eigene Faust, die Wassernot zu beheben. Bislang ohne Erfolg – an einem konzertierten Plan fehlt es.

Sollte das weltweite Wasserproblem nicht bald gelöst werden, könnte das fatale Folgen haben. „Die große Nachfrage nach natürlichen Ressourcen wie Energie, Lebensmittel und Wasser dürfte militärische Konfrontationen verursachen“, heißt es etwa in einer Studie des Pentagons. Die Experten haben die potenziellen Konfliktregionen bereits geortet: Vom Nahen Osten über Afrika bis Südasien. Die Ressourcenkriege, so das Urteil der Fachleute, werden die alten Kriege über Ideologie, Religion und nationale Ehre in den Schatten stellen.

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