Zeitung Heute : Eine entscheidende Weichenstellung

Viele Vorschusslorbeeren hat das neue Preissystem der Deutschen Bahn nicht bekommen – trotzdem wird es am 15. Dezember eingeführt. Das Unternehmen hat alles auf den Kopf gestellt und verspricht, dass Bahnfahren für viele Menschen so billig wird wie nie zuvor.

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Von Lutz Haverkamp

Welche Grundstruktur hat das neue Preissystem der Deutschen Bahn?

Das neue Preissystem besteht aus einem Normalpreis, auf den die drei so genannten Plan&Spar-Rabatte (je nach Vorkaufsfrist), die Bahncard (25 Prozent) und der Mitfahrerrabatt (50 Prozent) angewendet werden können. Der Normalpreis ist der Preis, der bezahlt werden muss, wenn die Reise noch am selben Tag stattfindet und sich der Reisende auf keinen bestimmten Zug festlegen will. Die Normalpreise für Fernverkehrszüge werden nach Angaben der Deutschen Bahn auf kurzen Strecken bis 180 Kilometern bis zu zehn Prozent teurer. Ansonsten gilt: Je länger die Wegstrecke, desto günstiger wird es – bis zu 25 Prozent. In Nahverkehrszügen bleiben die Preise für Strecken bis zu 143 Kilometern bis auf wenige Ausnahmen stabil, bei längeren Strecken sinkt der Preis ebenfalls im Vergleich zu heute. Als Rabatt kann im Nahverkehr aber nur die Bahncard eingesetzt werden.

Wer profitiert am meisten?

Wer seine Fahrkarte für Hin- und Rückfahrt sieben Tage vor Reiseantritt kauft und sich auf bestimmte Züge festlegt, erhält 40 Prozent Preisnachlass auf den Normalpreis. Die Nacht von Samstag auf Sonntag muss zwischen An- und Abreise liegen. Bei drei Tagen Vorkaufsfrist sind es 25, bei einem Tag noch zehn Prozent. Wer nur eine einfache Fahrt bucht, erhält ebenfalls nur zehn Prozent Nachlass, auch wenn er sieben Tage vorher bucht. Der so reduzierte Preis kann durch die Bahncard nochmals um 25 Prozent gesenkt werden. Auf insgesamt 73 Prozent Nachlass auf den Normalpreis kommt man, wenn sich fünf Reisende zusammenschließen, die Tickets eine Woche vor Reiseantritt gekauft werden und alle die Bahncard benutzen. Bei zwei Reisenden sind bis zu 66 Prozent Ersparnis möglich.

Wer muss mehr bezahlen?

Wer kurze Strecken im Fernverkehrszügen fährt, muss mit bis zu zehn Prozent höheren Preisen rechnen. Die Frühbucher-Rabatte werden im Bereich des Regionalverkehrs und bei Fahrten in Fernverkehrszügen, die weniger als 15 Euro kosten, nicht angeboten. Außerdem werden spontane Reisen teurer, da dann die Plan&Spar-Rabatte nicht genutzt werden können. Die neue Bahncard ist zwar im Nahbereich gültig, reduziert den Normalpreis aber nur noch um 25 Prozent.

Was passiert, wenn ich bereits eine Fahrkarte gekauft habe, den gebuchten Zug aber verpasse oder meine Reisepläne unerwartet ändern muss?

Jetzt sind alle Rabatte futsch – und teurer wird es auch noch. 45 Euro kostet am Reisetag selbst eine Zusatzkarte, um einen anderen Zug nehmen zu können. Zusätzlich muss die Differenz zum Normalpreis – also der vorherige Rabatt – bezahlt werden. Reisen mehrere Personen zusammen, fällt die Storno-Gebühr von 45 Euro allerdings nur einmal an. Es kann Fälle geben, bei denen die Storno-Gebühr höher ist als der eigentliche Fahrpreis. Beispiel: Berlin – Hannover. Eine einfache Fahrkarte mit 40-prozentiger Ermäßigung und Bahncard kostet nur 43,50 Euro.

Was passiert mit meiner alten Bahncard? Verfällt sie am 15. Dezember?

Die alte Bahncard bleibt bis zu ihrem Verfallsdatum, das auf der Karte vermerkt ist, uneingeschränkt gültig – auch über den 15. Dezember hinaus. Die alte Bahncard reduziert auch weiterhin die Preise um 50 Prozent. Die alte Bahncard ist auch noch bis zum 14. Dezember für 140 Euro und zu den bisher gültigen Bedingungen erhältlich. Für manche Fälle lohnt es sich auch, alte und neue Bahncard parallel zu verwenden. Die neue Bahncard kostet 60 Euro und reduziert die Normalpreise des neuen Systems um 25 Prozent – auch in Österreich und der Schweiz. Besonders für Familien, die ihre Fahrten lange vorausplanen können, lohnt sich die neue Karte. Grundsätzlich kann die alte Bahncard auch gegen das neue Modell umgetauscht werden. Der Restwert der alten Karte, der mindestens 15 Euro betragen muss, wird dabei verrechnet. Eine alte Karte, die etwa im März 2003 ausläuft, vorzeitig zu verlängern, ist dagegen nicht möglich.

Werden weiterhin Zuschläge für ICE- und andere Schnellzüge erhoben?

Alle Zuschläge für Schnellzüge fallen weg. Die Deutsche Bahn hat für alle Züge und Strecken Normalpreise errechnet, in denen die bisherigen Zuschläge eingearbeitet sind. Insgesamt sind das 22 Millionen neue Preise.

Was bedeutet das neue System für Familien und Reisegruppen?

Begleitung beim Reisen zahlt sich aus: Die erste Person zahlt 100 Prozent des Normalpreises. Bis zu vier Personen können für 50 Prozent mitfahren. Die Plan&Spar-Rabatte können ebenfalls genutzt werden. Kinder bis 14 Jahre reisen in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern umsonst. Kauft ein Elternteil eine Bahncard, erhalten der Partner und alle eigenen Kinder bis 17 Jahre die Bahncard für fünf Euro und können sie unabhängig nutzen.

Muss ich als Berufspendler mit Zeitkarte jetzt mehr bezahlen?

Nein, denn die Preise für Zeitkarten bleiben stabil. Ein Wochenendpendler, der beispielsweise 26-mal im Jahr zwischen Berlin und Hamburg pendelt, bezahlt ab dem 15. Dezember statt 2767 Euro (inklusive Bahncard) nur noch 2020 Euro, wenn er seine Reise jeweils sieben Tage vor Antritt bucht.

Gibt es noch Sonderangebote wie das Schönes-Wochenende- oder das GutenAbend-Ticket?

Im Fernverkehr fallen alle jetzt gültigen Sonderpreise wie Guten-Abend-Tickets, Familien-Sparpreise oder Surf&Rail-Tickets weg und werden durch die neuen Plan&Spar-Rabatte ersetzt. Im Nahverkehr gibt es diese Plan&Spar-Rabatte nicht, das Schönes-Wochenende-Ticket bleibt aber auch nach dem 15. Dezember erhalten.

Können die neuen Tarife auch über das Internet gebucht werden?

Nur Besitzer einer Bahncard können unter der Internet-Adresse www.bahn.de alle Fahrscheine kaufen, auch Sitzplatzreservierungen sind möglich.

Weitere Informationen zum neuen Preissystem unter: www.bahn.de

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