Zeitung Heute : Eine erfolgreiche Kämpferin

In knapp fünf Jahren baute die 31-jährige Güldeniz Cakilkaya ein gut gehendes Taxi-Unternehmen auf. Im Herbst wird sie ihr Studium beenden

Vivien Leue

Im zarten Alter von zwölf Jahren stand Güldeniz Cakilkaya mit erhobenem Finger vor ihrer Grundschullehrerin. „Ich werde es Ihnen schon zeigen, dass ich es schaffe“, schwor das zierliche Mädchen. Die Nacht zuvor hatte sie noch wach und verzweifelt im Bett gelegen. Die Realschulempfehlung war es, die sie so entzürnte. Denn Güldeniz Cakilkaya wollte unbedingt auf ein Gymnasium gehen. Ganz alleine ging sie zum Anmeldetermin. „Ich hätte sowieso alles für meine Eltern übersetzen müssen“, sagt sie. Ein halbes Jahr später stand sie wieder vor ihrer ehemaligen Grundschullehrerin. Doch dieses Mal erschien sie ohne den erhobenen Zeigefinger, dafür aber mit dem Zeugnis des bestandenen Probehalbjahres.

Güldeniz Cakilkaya ist eine Kämpferin. Das sieht man im Blitzen ihrer Augen und das erfährt man, wenn sie von ihrem Leben erzählt. Heute, mit 31 Jahren, ist sie eine erfolgreiche Berliner Taxi-Unternehmerin mit 13 Taxen und 15 Angestellten. Sie ist glücklich verheiratet und hat einen vierjährigen Sohn. Im Herbst möchte sie ihre berufliche Laufbahn mit der Diplomarbeit in BWL krönen. Wie schafft man das alles? „Man muss nicht nur träumen, sondern sollte auch anfangen, diese Träume zu verwirklichen“, sagt Güldeniz Cakilkaya. Dabei dürfe man aber immer nur eine Stufe nach der anderen nehmen und nicht sofort alles wollen. Cakilkaya weiß, wovon sie redet. Sie selbst hat einmal ganz klein angefangen.

1998 machte sie sich zusammen mit einer Schwester und zwei Brüdern in Kreuzberg selbstständig – mit nur einem Taxi. Doch das Unternehmer-Glück währte nicht lange. Private Streitigkeiten zwischen den Geschwistern weiteten sich ins Berufsleben aus und gipfelten in der Trennung der Geschäfte. Güldeniz Cakilkaya, zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger, blieb mit ihrer Schwester und einem Taxi zurück. „Es war eine harte Zeit", sagt sie heute, aber ihren Mut hat sie damals nicht verloren. „Jetzt wollte ich zeigen, dass ich es auch so schaffen kann. Ich wollte expandieren.“ Ihr Mann stieg in das Geschäft ein und kümmerte sich fortan um die Ausbildung neuer Taxifahrer. Er hatte bereits zuvor in einem Taxi-Betrieb als Lehrer gearbeitet. Obwohl Güldeniz Cakilkaya aufgrund ihrer Schwangerschaft schnell als Fahrerin ausfiel, lief das Geschäft gut an. Nach der Geburt ihres Sohnes im Jahr 1999 konnte sich das Kleinunternehmen sogar ein zweites Taxi kaufen. An Mutterschaftsurlaub war damals jedoch kaum zu denken. Denn obwohl Cakilkaya das Geschäft sechs Monate lang mied, musste sie als Inhaberin des Taxi-Betriebes weiterhin viele Behörden aufsuchen, Gespräche mit Banken führen und dafür sorgen, dass die geschäftliche Seite des Betriebes funktionierte. „Damals habe ich mir oft gewünscht, einmal bis zehn Uhr ausschlafen zu können, sagt Cakilkaya heute. Die Zeit sei hart gewesen. „Aber wir haben immer weiter Fortschritte gemacht, und die haben uns angespornt“.

Dass Cakilkaya türkischer Abstammung ist, habe für sie im Berufsleben nie einen Nachteil dargestellt, sagt sie. Mit einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung ist man im Geschäftsleben deutschen Staatsangehörigen gleichgestellt. Sowohl den Personenbeförderungsschein als auch den Unternehmerschein hat Cakilkaya daher problemlso bekommen. Ihre Herkunft habe ihr eher Vorteile gebracht, findet Cakilkaya. „Türkische Familien halten eng zusammen und helfen sich gegenseitig.“ So habe sie von den Eltern und Schwiegereltern nicht nur moralische, sondern in Notlagen auch finanzielle Unterstützung bekommen. „Deutsche Kollegen sagen mir oft, dass sie sich das nicht vorstellen könnten, Geld von der Familie zu leihen." Ihre Mitarbeiter sind sowohl deutscher, als auch türkischer oder arabischer Abstammung. Auf eines achtet Cakilkaya genau – die Fahrer müssen gut deutsch sprechen können. Denn „das ist das Problem, was Ausländer oft haben: Sie können sich nicht gut genug verständigen.“

Nach zweijähriger Uni-Pause nahm Güldeniz Cakilkaya 2001 ihr Studium wieder auf. Viele hätten ihr davon abgeraten, doch Cakilkayas Wille war stärker. „Das Taxi stand immer vor der Uni und nach den Vorlesungen bin ich losgefahren und habe gearbeitet.“ Mittlerweile hat sie sich allerdings aus dem aktiven Fahrgeschäft zurückgezogen und widmet sich den geschäftlichen Seiten ihres Betriebes. Sie macht die Lohnbuchhaltung und kümmert sich auch um Personalangelegenheiten. Ihr Studium hat ihr dabei bisher schon oft geholfen. „Man kann eine Sache nur machen, wenn man sich in dem Bereich auskennt“. Cakilkaya spricht aus Erfahrung. Denn auch ihren Berufsweg säumen nicht nur Erfolge.

Vor zwei Jahren eröffnete sie zusammen mit einer Freundin einen Kosmetik- und Frisörladen. Die Idee sei gut gewesen, sagt sie. Sie wollte insbesondere Geschäftsfrauen mit ihrem Angebot ansprechen. Frauen wie sie, die wenig Zeit, aber einen großen Bedarf an Schönheits-Dienstleistungen haben. Da Cakilkaya jedoch nicht selbst auf den Betrieb aufpassen konnte – das Taxi-Geschäft lief wie gehabt – vertraute sie vieles ihren Angestellten an und fiel damit prompt auf die Nase. Anfang dieses Jahres hat sie den Laden aufgegeben. „Ich kämpfe bis zum Schluss, bis es eben nicht mehr geht", sagt sie. Die Niederlage hat ihr den Spaß am Unternehmer-Sein offensichtlich nicht genommen. Denn schon Ende letzten Jahres eröffnete Cakilkaya ein weiteres Geschäft: eine private Schule zur Vorbereitung auf die Sach- und Fachprüfung für Taxiverkehr bei der IHK. Das Geschäft steckt immer noch in den Kinderschuhen, aber es laufe langsam an und werfe sogar etwas Gewinn ab, sagt Cakilkaya glücklich.

Dass ihre mittlerweile 15 Angestellten eine Frau als Chefin haben, sei nicht immer einfach, sagt Güldeniz Cakilkaya. „Eine Frau und dann auch noch eine Türkin, das ist für einige schwer“. Da die meisten Fahrer in ihrem Betrieb jedoch schon die Ausbildung bei ihr absolviert haben, hätten sie sich daran gewöhnt. „Es war nie mein Traum, einmal der Boss zu sein“, so Cakilkaya, „aber wenn man einen Betrieb führt, muss man das manchmal auch zeigen." Und so kann es passieren, dass Güldeniz Cakilkaya heute noch mit erhobenem Finger da steht – dann jedoch vor ihren eigenen Mitarbeitern.

Der Taxibetrieb Güldeniz Cakilkaya, Möckernstraße 73 A (Kreuzberg). Infos zur Fahrerausbildung unter Telefon: 78 99 17 01.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar