Zeitung Heute : Eine Frage der Statistik

Wie Arbeitslose gezählt werden

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In Deutschland leben 3,2 statt 4,1 Millionen Menschen ohne Arbeit.“ Eigentlich hätte Florian Gerster diesen Satz sagen können. Der Leiter der Bundesanstalt für Arbeit hätte sich nur an die Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) halten müssen. Denn: Die ILO definiert Menschen ohne Arbeit – es spricht von Erwerbs-, nicht von Arbeitslosen – anders als die Bundesanstalt für Arbeit (BA). Die ILO nennt jeden erwerbslos, der zwischen 15 und 74 Jahre alt ist und keine Arbeit hat. In der Statistik der BA tauchen aber nur diejenigen auf, die maximal 65 Jahre alt sind und die sich beim Arbeitsamt arbeitslos gemeldet haben. Diese Bedingung stellt die ILO nicht. Erwerbslos ist also auch der, der über private Arbeitsvermittler und Anzeigen einen Job sucht oder die Selbstständigkeit plant. Andererseits dürfen Erwerbslose keiner noch so geringfügigen Beschäftigung nachgehen, um erfasst zu werden. Arbeitslose hingegen, wie sie die BA entsprechend den Vorgaben des Sozialgesetzbuches definiert, dürfen bis zu 15 Stunden in der Woche arbeiten. Außerdem: Die Zahlen nach ILO werden ermittelt, indem innerhalb einer Woche rund ein Prozent der Bevölkerung befragt wird. Innerhalb der EU haben mehr als die Hälfte der Mitgliedsländer die ILO-Norm eingeführt. „Die EU wächst zusammen, also hat es Sinn, dass alle Länder nach einer Norm ihre Zahlen erheben“, sagt ein Sprecher der BA. Nur so seien die Zahlen international gut vergleichbar. Matthias Eggert

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