Zeitung Heute : „Eine Generation düpiert“

Der Tagesspiegel

Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Hartmut Schiedermair, hat das neue Hochschulrahmengesetz erneut kritisiert: „Die von Bildungsministerin Bulmahn in Aussicht gestellte Korrektur ist völlig unzureichend“, sagte Schiedermair bei der 52. Tagung des Hochschulverbandes in Koblenz. Es handle sich um ein „Ablenkungsmanöver“. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hatte nach heftiger Kritik von Nachwuchswissenschaftlern eine dreijährige Übergangsfrist in Aussicht gestellt. Wissenschaftliche Mitarbeiter, die ihre befristete Arbeit vor dem 23. Februar 2002 aufgenommen haben, dürfen nun mindestens bis zum 28. Februar 2005 weiter befristet beschäftigt werden. Das soll auch dann möglich sein, wenn sie die im neuen Gesetz festgeschriebene Qualifikationszeit von sechs beziehungsweise zwölf Jahren überschritten haben.

Schiedermair verlangte, es müsse für Assistenten auch in Zukunft die Möglichkeit geben, auf Oberassistentenstellen aufzurücken. Diese sind in der Novelle nicht mehr vorgesehen. Die jetzige Generation von Nachwuchswissenschaftlern sei zu anderen Bedingungen angetreten und werde durch die einseitige Bevorzugung der Juniorprofessoren düpiert und in Deutschland um ihre Karrierechancen gebracht. Wissenschaftliche Mitarbeiter, die das 40. Lebensjahr überschritten hätten, sollten weiterhin nach dem für sie günstigeren alten Recht behandelt werden. Befristungen sollten in Zukunft immer dann erlaubt sein, wenn ihre Finanzierung aus Drittmitteln gesichert ist.

Gleichzeitig warnte der Hochschulverband, mit 18 000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der deutschen Uni-Professoren, vor dem wachsenden Einfluss der Drittmittelgeber auf die Forschung. Dem Verband lägen Hinweise vor, dass Drittmittelgeber zunehmend versuchten, „in unzulässiger Weise Einfluss auf Ergebnisse und deren Veröffentlichung zu nehmen“. Der Deutsche Hochschulverband hält die Auftragsforschung zwar für „unabdingbar“. Doch müssten Bund und Länder für eine „verlässliche Finanzierung der Universitäten“ sorgen, um der „Gefahr einer Abhängigkeit von privaten Drittmittelgebern entgegenzuwirken“.

Der Hochschulverband hält nichts davon, dass in Zukunft flächendeckend Promotionsstudiengänge eingeführt werden sollen, wie es das neue Gesetz vorsieht. Der beste Weg, um „den begabtesten Nachwuchs zu fördern“, sehen die Professoren im Wettbewerb zwischen Graduiertenkollegs, universitären Doktorandenprogrammmen und anderen Wegen zur Promotion. Außerdem wünschen sich die Hochschullehrer, dass die Fachhochschulen in Zukunft mehr Studenten ausbilden. Die Universitäten seien „an ihre Aufnahmegrenze gestoßen“. Die Universitäten sollten das Recht erhalten, die Studenten auszuwählen. Die Abiturnote dürfe nicht das alleinige Kriterium für die Studienplatzvergabe sein. Anja Kühne

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