Zeitung Heute : Eine Gruppe, zwei Fraktionen

Schüler und Studenten üben sich beim Tagesspiegel-Debattierclub in der Kunst der politischen Argumentation – mit ein wenig Hilfe von Profis

Dagny Lüdemann

Ja oder nein? Pro oder contra? Im Debattierclub muss man sich auf eine Seite schlagen. Diesmal war die Frage: Soll eine Quote für Jugendliche im Parlament eingeführt werden? 40 Schüler redeten sich am Donnerstag mit der jüngsten Bundestagsabgeordneten Anna Lührmann (22) von den Grünen im Debattierclub des Tagesspiegels die Köpfe heiß.

Nach der Auftaktveranstaltung im Juni trafen sich junge Leute jetzt zum zweiten Mal unterm Dach des Tagesspiegels in der Potsdamer Straße, um mit prominenten Gästen über aktuelle Themen zu diskutieren. Unterstützung bekamen sie dabei von Rhetorik-Trainerin Annette Werner Diehl.

Zwei Teams à zwei Leuten standen sich am Kopf des Konferenzraumes an Bistro-Tischen gegenüber. Abwechselnd bekamen sie jeweils ein paar Minuten Zeit, ihre Argumente darzulegen – am Ende debattierte das ganze Publikum mit. „Eine Quote ist undemokratisch, ein Zwang, der die Freiheit jedes Bürgers einschränkt“, meinte die Contraseite. „Zurzeit vertreten die 40- bis 60-Jährigen das Volk – genau das ist das Undemokratische“, erwiderten die Befürworter der Jugendquote. Die Contra-Fraktion stellte gänzlich in Frage, ob Jugendliche aufgrund ihrer mangelnden Lebenserfahrung und ohne akademischen Abschluss überhaupt in der Lage seien, im Bundestag mitzuwirken. „Mehr Jugendliche im Bundestag bedeuten nicht automatisch bessere Jugendpolitik“, lautete ihre These. Doch das lebende Beispiel dafür, dass man schon mit 19 in der Politik der „Großen“ mitmischen kann, ist Anna Lührmann, die vor drei Jahren erstmals und jetzt wieder in den Bundestag gewählt wurde. „Am Anfang habe ich immer Hosenanzüge getragen und mich bemüht, möglichst nicht so jugendlich zu sprechen“, erzählte sie. Inzwischen habe sie festgestellt, dass sie durch ihr Alter „Jugendliche besonders gut erreichen kann“. Jetzt geht Anna Lührmann in Jeans zur Arbeit im Haushaltsausschuss und engagiert sich gegen die Ausbeutung von jungen Leuten in der „Generation Praktikum“. Es ist das Gefühl, etwas zu verändern“, was sie antreibt.

Aus dem gleichen Grund übten die 40 Schüler und Studenten die Debatte. Jenny Dorn vom Gymnasium Steglitz will „Leute treffen, die ähnliche Interessen haben und etwas fürs spätere Berufsleben lernen“. Und Felix Buchholz von der Rheingau-Oberschule diskutiert gerne und engagiert sich auch an seiner eigenen Schule. Am Ende waren die meisten Anwesenden gegen eine feste Quote, doch den Wunsch nach besserer Jugendpolitik teilten alle.

Der Debattierclub des Tagesspiegels ist offen für Schüler der Oberstufe und Studenten (rhetorik@tagesspiegel.de)

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