Zeitung Heute : Eine Hommage

Michael Burucker

Das Eselfest. Arte. "Der Herr badet gerne lau." Bekanntlich charakterisierte Herbert Wehner so das Zauderhafte an Willy Brandt. Auch Esel, so lernten wir aus diesem skurrilen Themenabend mögen die Extreme nicht. Das Wagnis lehnen sie ab. Der Esel badet nicht mal lau. Hygiene für das einstige Wüstentier ist, wenn es sich auf dem Boden wälzen kann. Weil seine sensible Psyche seine derben Halter überforderte, galt er als dumm. Zudem neigten Gelehrte wie Descartes zu der These, Tiere seien nichts als Automaten, eine Ansicht, die bis vor wenigen Jahren noch unsere Gesetzgebung bestimmte, die Tiere als "Sachen" definierte. Keine Sozialgeschichte, die sich mit inhumanen Arbeitsbedingungen etwa in den Bergwerken beschäftigte, lenkte je ihr Augenmerk auf das Elend der Tiere. Auf Esel etwa, die in Kohlenflözen als lastschleppende Kriechtiere eingesetzt wurden. Robuste französische Kumpel wussten da einiges zu berichten. Doch wozu gibt es Arte-Themenabende, die sich dem Übersehenem annehmen, renommierte Zeugen wie den Star-Journalisten und Esel-Liebhaber Luc Rosenzweig als Autoren verpflichten und wie hier, sogar im Happy-End münden? Dem Nutztier nutzt die von Naturschützern verteufelte Technik. Schleppen muss das geduldige Wesen heute nur noch Kinder, Kranke und gestresste Stadtmenschen.

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