Zeitung Heute : „Eine kalte Dusche hilft“

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Constantin Orfanos, 66, ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Benjamin Franklin.

Nutzt es was, wenn man sich vor dem Urlaub schon mal im Solarium vorbräunt?

Für blasse Menschen kann es durchaus sinnvoll sein, zwei, dreimal vor Antritt eines Urlaubs sich maßvoll ins Solarium zu begeben. Dies ist allerdings wirksamer, wenn das Solarium nicht ausschließlich mit UV-A Strahlen arbeitet. Erst die Bestrahlung mit UV-B-Strahlen macht die Haut ein wenig dicker, wir nennen das die Lichtschwiele. Darüberhinaus werden die Melanozyten aktiviert, also die pigmentbildenden Zellen. Das alles kann im Prinzip schon einen gewissen Schutz bieten. Bei dem Wetter, das wir zurzeit haben, können Sie sich aber genauso gut zwei-, dreimal eine Viertelstunde der Sonne aussetzen.

Hilft die richtige Ernährung, sich gewissermaßen von innen zu schützen?

Wenn man Gemüse oder Früchte, die viel Betacarotin enthalten, in Massen zu sich nimmt, dann können die eine gelbliche Verfärbung der Haut bewirken. Wir beobachten das zum Beispiel bei Babys, wenn sie ausschließlich mit Karottenbrei ernährt werden. Dieser gelbe Farbstoff ist schon ein Lichtschutz, wenn auch nur ein sehr begrenzter.

Die Sonneneinstrahlung bewirkt ja auch eine Alterung der Haut. Kann ich dagegen mit der richtigen Ernährung vorbeugen?

Das Licht erzeugt sehr aktive Substanzen, so genannte freie Radikale, die werden heute mitverantwortlich gemacht für die Hautalterung. Nun gelten ungesättigte Fettsäuren etwa in Fisch oder Olivenöl aber auch Polyphenole wie in Tomaten als Fänger dieser freien Radikale. Die so genannte mediterrane Kost könnte insofern auch der Hautalterung entgegenwirken.

Gibt es auch Nahrungsmittel, die mir in der Sonne schaden?

Manche Gemüse enthalten phototoxische Substanzen, Petersilie zum Beispiel oder der Beifuß. Die können die Lichtempfindlichkeit steigern, die Haut reagiert dann unter Umständen mit einer Rötung. Das kann Ihnen auch passieren, wenn Sie sich etwa mit nacktem Oberkörper auf einer Wiese ausstrecken und sich dann umdrehen. An den Stellen, die mit phototoxischen Substanzen in Berührung gekommen sind, können sich Flecken ausbilden.

Warum fühlt sich eigentlich die Haut noch lange nach dem Sonnenbad so heiß an?

Die Sonneneinstrahlung bewirkt auch eine Erweiterung der Gefäße, die Haut wird stärker durchblutet, Sie sehen das ja an der Rotfärbung. Und im Rahmen dieser stärkeren Durchblutung haben wir eine größere Wärmeabgabe. Daher kommt dieses Hitzegefühl. Wir müssen auch aus physiologischen Gründen mehr Wärme abgeben, denn der Körper muss ja versuchen, im Inneren eine konstante Körpertemperatur aufrechtzuerhalten.

Angenommen, ich habe trotz aller Vorsicht einen Sonnenbrand erlitten, was kann ich jetzt noch tun?

Ich kann Ihnen ein Rezept aus meiner Jugend in Griechenland verraten: Damals haben wir die betroffenen Stellen abends mit frischem Joghurt bestrichen. Es muss aber nicht unbedingt Joghurt sein. Kühlende Umschläge oder eine kalte Dusche können schon lindernd wirken, ebenso eine Feuchtigkeitscreme. Wenn der Sonnenbrand sehr stark ist, würde ich für zwei, drei Tage ein mildes Cortisonpräparat zur lokalen Anwendung an den schwer betroffenen Stellen empfehlen.

Die Fragen stellt Andreas Austilat

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