Zeitung Heute : Eine Kamera für alle

Wie die Fernsehsender kostengünstig in die kommende Bundesliga-Saison gehen

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Von Markus Ehrenberg

Die Rechnung könnte einfach sein. Mehr Sendezeit, mehr Produktion, mehr Ausgaben für den Sender. Wenn am Sonnabend die Bundesliga-Sendung „ran" auf dem vorgezogenen 18-Uhr-Termin ausgestrahlt wird und volle zwei Stunden bis 20 Uhr läuft, müsste sich Sat-1-Chef Martin Hoffmann eigentlich die Haare raufen. Alle sparen, die Vereine in ganz Europa gehen bei Transfersummen und Spielergehältern herunter, nur der Privatsender, der ohnehin rote Zahlen schreibt, schmeißt für die Liga immer mehr Geld aus dem Fenster.

Ganz so ist es nicht. Zwar dauert „ran“ netto jetzt 45 Minuten länger (in der vergangenen Saison waren es nur 75 Minuten), aber das ist brutto gerechnet. Viel mehr Kosten für Sat.1 bedeutet die aufgespeckte Produktion nicht. Jedes Spiel soll mindestens sechs, höchstens 20 Minuten lang sein. „Das schlägt sich in den Kosten nicht nieder. Ob sechs oder 16 Minuten – man muss sowieso jedes Spiel schneiden und covern. Und dafür haben wir jetzt neue, effektivere Ü-Wagen. Außerdem strahlen wir einen Werbeblock mehr aus, fünf statt vier", sagt Sat-1-Sprecherin Kristina Faßler. Und man sei dabei, die Kosten für die Übertragungen zu senken.

Mit dem Dienstleister Plaza Media werden noch in diesen Tagen bessere Konditionen ausgehandelt. Plaza Media produziert – im Auftrag der zur Verwertung der Bundesliga-Rechte gegründeten Gesellschaft – die notwendigen Signale, ohne die kein bewegtes Bild das Fußballstadion verlässt. Die Verhandlungen betreffen alle Sender, die die Bundesliga übertragen (Sat.1, Premiere, DSF, ARD, ZDF). Was auf die Mattscheibe kommt, stammt auch in der kommenden Saison aus einer TV-Kamera.

So hoffen auch die Zweitverwerter der Bundesliga, kostengünstig durch die Saison zu kommen. ZDF-Intendant Markus Schächter gab sich „hochzufrieden“ mit dem Preis von jährlich 30 Millionen Euro, den ARD und ZDF nach langen Verhandlungen in der vergangenen Woche mit der Kirch Media abgeschlossen haben.

Fast wie beim Kanzler-Duell

Die Summe sei angeblich nicht höher als vorher, weil weitere Sportrechte damit verbunden sind. Dafür gibt es die Nachbetrachtungen im ZDF-„Sport-Studio“ (Motto: alle Spiele, alle Tore) und in der Sonntags-„Sportschau" in gewohnter Form. Das Erste darf in „Tagesschau“ und „Tagesthemen" drei statt zwei Spiele in einer Länge von maximal vier Minuten präsentieren. Und die Sportmagazine der Dritten Programme können bei ihrer Berichterstattung – anders als vorher – unter allen Spielen überregional auswählen. Für ARD und ZDF scheint das eher eine Spar-Saison zu werden.

Sat.1 zeigt am Freitag schon, wie man in Zukunft kostengünstig produzieren kann. Das Auftaktmatch zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC wird live auf zwei Kanälen übertragen: frei empfangbar auf Sat.1 und digital verschlüsselt auf Premiere. Es ist fast wie beim Kanzler-Kandidaten-Duell. Zwei Sender, die gleichen Bilder und Töne. Oliver Welke und Monika Lierhaus moderieren aus einem Studio, Edel-Reporter Marcel Reif kommentiert. In diesen Genuss kamen Pay-TV-Verweigerer zuletzt vor vier Jahren. Einen Unterschied gibt es aber. Wenn Sat.1. in der Halbzeit Werbung bringt, dürfen bei Premiere die Experten ran.

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