Zeitung Heute : Eine Künstlerin lässt Manager Steine klopfen

R.-C. H.

Birgit Cauer ist Künstlerin und setzt auf Neugier. Schließlich funktioniert dieses Prinzip nicht nur bei ihr selbst, sondern üblicherweise auch bei den Betrachtern ihrer Werke: aus Stein, Stoff, Polyäthelenfolie und manchmal auch Armiereisen und Entwässerungsrohren. Nun soll Neugier auch bei den Teilnehmern ihrer Seminare zum Hauptmotiv werden. Im Kalksteinbruch des Museumsdorfes Rüdersdorf will Cauer Hobbykünstler, Entspannung suchende Manager und auch Kollegen aus anderen Kunstdisziplinen in Dreitages-Kursen zu Bildhauern werden lassen. "Am Anfang", erklärt Cauer, "wissen die wenigsten Teilnehmer, welche Gestalt ihr Stück annehmen wird. Sie finden es erst mit der Arbeit am Stein heraus." Die Neugierde auf sich selbst, auf das Material und das kreative Handwerk lasse die Zeit wie im Flug vergehen. Jeder wolle die Basis-Unterweisung in Material- und Werkzeugkunde möglichst schnell hinter sich bringen, um sofort zur Sache kommen: Ein bis zu 30 Kilogramm schweres Felsstück auswählen und sich auf "Kopf", "Torso", "Tier" oder eine eher "abstrakte Figur" festlegen. Über das Ergebnis entscheidet der geschickte Umgang mit Fäustel und Spitzeisen - und die Fantasie.

Die aus Frankfurt am Main stammende Künstlerin stand, als sie vor drei Jahren nach Berlin übersiedelte, vor einem Problem, das fast alle Künstler kennen: Ihr fehlte Betriebswirtschaftliches Denken und Rechnen, Selbstmanagement und das notwendige Marketing-Know-how, um ihre Existenz als Künstlerin sichern zu können. Mit einer Fortbildung zur Kultur- und Medienmanagerin an der Akademie für Kultur und Bildung gelang es ihr, die Lücken aufzufüllen. Cauer rückblickend: "Ich bin Künstlerin. Da klang das alles nicht gleich so interessant. Aber wie den Teilnehmern in meinen eigenen Seminaren kam mir die Erkenntnis mit der Auseinandersetzung. Von Kunst ohne Management kann man nicht existieren." Heute kann Cauer als Unternehmerin sagen: "Mein Seminar ist letztendlich ein Produkt. Ein guter Inhalt braucht eine marktfähige Form und eine genaue Ausrichtung auf die Zielgruppe. Angefangen von der Kalkulation bis zur Web-Site." Dass die 40-Jährige das Marketing-Thema inzwischen professionell im Griff hat, führt sie darüber hinaus auf die Mitgliedschaft im Bund Bildender Künstler zurück. Für die Zukunft setzt sie allerdings auch die Kontakte, die sich aus ihrer Mitarbeit im Netzwerk "Frauen in Kunst und Kultur" ergeben. Das professionelles Netzwerk, in dem sich Frauenbeauftragte, Kulturmanagerinnen und Künstler engagieren, hält Cauer für "eine gute Sache". Die Begründung der Bildhauerin dürften die meisten freischaffenden Künstler bestätigen können: "Das größtes Problem für Künstler ist doch das Management. Ohne Unterstützung kommt man so gar nicht zur eigenen Kunst."

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