Zeitung Heute : Eine Ladenstraße im Halbkreis

100 Geschäfte und Lokale wollen im Herbst kommenden Jahres in die Wilmersdorfer Arcaden ziehen. Derzeit rollen Abrissbagger, um Platz für das Center im Norden der Fußgängerzone zu schaffen

Cay Dobberke

Nicht überall in Berlin sind neue Einkaufszentren noch willkommen, schließlich gibt es bereits mehr als 50 Shoppingcenter. Keinen Streit gibt es aber um die Wilmersdorfer Arcaden, die im Herbst 2007 eröffnen sollen. Denn auch die Nachbargeschäfte in der Fußgängerzone versprechen sich davon eine Belebung. Einen „Teil des Aufschwungs“ sieht Thomas Bong von der AG Wilmersdorfer Straße in dem Projekt.

Zurzeit laufen Abrissarbeiten im Straßenblock zwischen Schiller- und Pestalozzistraße: Das alte Karstadt-Parkhaus und ein ehemaliges Verwaltungsgebäude von Sinn Leffers werden abgetragen. Im Laufe dieses Monats folgen Betonarbeiten in der Baugrube.

In einem sechsstöckigen Neubau sind rund 100 Geschäfte mit insgesamt 25 000 Quadratmetern Verkaufsfläche geplant. Dazu gehören Fachmärkte für Elektronik und Sport, ein großer Verbrauchermarkt, ein Lebensmitteldiscounter, zahlreiche Modehandlungen und Gastronomie. Mehr als die Hälfte der Flächen sollen bereits vermietet sein, Namen der Mieter geben die Bauherren aber noch nicht preis. Das Hauptgebäude des ehemaligen Sinn Leffers-Modehauses wird baulich einbezogen. Sinn Leffers selbst kann nicht mehr wie ursprünglich geplant im Center verkaufen – die Modehandlung war zum Jahresende 2005 vom Mutterkonzern Karstadt-Quelle geschlossen worden.

Als architektonische Besonderheit des Centers gilt eine halbkreisförmige Ladenstraße im Inneren. Diese werde sich über drei Etagen erstrecken, kündigten die Projektleiter Wolfgang Behrend und Carsten Faust an. Auf dem Dach ist ein begrüntes Parkhaus mit 260 Stellplätzen vorgesehen.

Ursprünglich waren die etwa 50 Millionen Euro teuren Wilmersdorfer Arcaden ein alleiniges Projekt der Essener mfi (Management für Immobilien) AG. Inzwischen hat der kanadische Investor Ivanhoe Cambridge 92,5 Prozent der Anteile erworben.

In Berlin ist mfi bereits als Betreiber der Spandau Arcaden, der Neukölln Arcaden und der Schönhauser Allee Arcaden bekannt. Insgesamt betreibt die Firma elf Center in deutschen Städten. Von ihr stammt auch das stark umstrittene Umbaukonzept für das Ku’damm-Karree, welches den Abriss des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm zu Gunsten neuer Läden vorsieht. In diesem Fall war mfi allerdings nur Projektentwickler für den Eigentümer DB Real Estate, der zur Deutschen Bank gehört.

Das Gegenstück zu den Arcaden im Norden der Fußgängerzone bildet das 2004 eröffnete „Kant-Center“ im Süden. Zusammen könnten beide Bauten wie „Tore“ zur Einkaufsmeile fungieren, hofft die AG Wilmersdorfer Straße.

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