Zeitung Heute : Eine Marke fürs Grün

Bauern und Bouillon: UdK-Studierende entwickeln neue Auftritte für Unternehmen.

Cara Wuchold

Die Kronen der Eichen und Buchen werden immer lichter, der Boden ist versauert, die Luft verschmutzt. Wer käme da auf die Idee, zu viele Bäume seien ein Problem? Und doch: Im Spessart ist der wachsende Wald ein schlechtes Zeichen. Er breitet sich überall dort aus, wo Bauern ihre Weiden aufgegeben haben – weil sich der Verkauf von Fleisch und Milch für sie nicht mehr lohnt. Wo aber Weidevieh fehlt, wächst der Wald, verschwinden Wiesen, sinkt die Artenvielfalt. Was lässt sich dagegen unternehmen?

Fünf Studenten der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation (GWK) der UdK Berlin haben ihr Abschlussprojekt dieser Herausforderung gewidmet: Im Auftrag des Vereins Naturparks Spessart entwickelten sie ein Konzept, um Landwirten bei der Vermarktung regionaler Produkte zu helfen. Die fünf Kommunikationsexperten sind studiengestählt in Marktforschung, Marketingstrategie und Gestaltung. „Wir mussten einen Weg finden, Beweidung wieder attraktiv zu machen“, sagt GWK-Studentin Lea Gimpel.

Das Spessart-Team führte zahlreiche Interviews mit Erzeugern und Verbrauchern, organisierte Workshops für Landwirte, in denen sie den Grundstein für die zukünftige Vernetzung mit Einzelhändlern und Gastronomen legten. Vorgesehen ist die Gründung einer Kooperative, in der die Vermarktung zentral gesteuert und Qualitätssiegel für artgerechte Weidehaltung vergeben werden könnten. Den Geschäftsführer des Vereins Naturpark Spessart, Oliver Kaiser, hat das Konzept überzeugt: „Wir möchten die Ideen eins zu eins umsetzen, wenn wir genügend Fördergelder akquirieren können.“

Ein Logo wurde entwickelt und mit „Grünland Spessart" ein Markenname gefunden, unter dem die regionalen Spezialitäten zukünftig verkauft werden könnten. Und noch mehr ist geplant: Wo es was zu kaufen gibt, könnte sich künftig in einem Regionalführer nachlesen lassen. Filets vom Gelben Frankenvieh werden in der „Grünland Spessart“-Plastiktüte nach Hause getragen.Und wem Bier und Bratwürstchen alleine nicht schmecken, der geht zum Stammtisch oder Grünland-Camp der Kooperative.

Das Abschlussprojekt im Studiengang GWK hat zum Ziel, ein Kommunikationskonzept für eine Idee oder ein Produkt eines realen oder erdachten Auftraggebers zu entwickeln. Das kann ein Verein sein wie im Fall des Naturparks Spessart. Andere Beispiele: Studierende des aktuellen Jahrgangs entwickelten eine Kommunikationskampagne, um die Diskussion über die Zukunftsperspektive der Region Berlin und Brandenburg zu fördern. Und einige Studentinnen setzen sich zum Ziel, die Maggi-Bouillon der Großmutter ihren eigenen Altersgenossen schmackhaft zu machen. Wie das gehen soll? Zum Beispiel über eine Online-Videoserie, in der Nachbar und Nachbarin gemeinsam kochen – selbstverständlich mit Bouillon.

Der Studiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation präsentiert sich zum Rundgang im Medienhaus in der Grunewaldstraße u. a. in Raum 10 mit Videoarbeiten und im Raum 119 mit dem Bachelor-Seminarprojekt „meta-dating“.

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