Zeitung Heute : Eine Milliarde Menschen leiden täglich Hunger

Berlin - Der Hunger in der Welt wird wieder größer. Vermutlich knapp eine Milliarde Menschen haben derzeit nicht genug zu essen. Allein 2008 sind 75 Millionen Menschen hinzugekommen. Das glauben die Experten des Hungerforschungsinstituts Ifpri.Schon für 2007 hatten die Vereinten Nationen (UN) einen Anstieg der Zahl der Hungernden von 800 Millionen auf 925 Millionen geschätzt. Damit ist der langjährige Trend einer verbesserten Nahrungssituation umgekehrt worden.

Joachim von Braun, Chef von Ifpri, forderte bei der Vorstellung des aktuellen Welthungerindex am Dienstag in Berlin, die Investitionen in die ländliche Entwicklung bis 2015 jährlich um 14 Milliarden Dollar zu erhöhen. Dann könne das UN-Ziel, die Zahl der Hungernden bis 2015 im Vergleich zu 1990 zu halbieren, doch noch erreicht werden. Die Vorsitzende der Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble, verlangte einen „Rettungsplan für die Hungernden“. Im Gegensatz zu den Banken, die derzeit mit Rettungsplänen gestützt würden, seien die Hungernden „nicht selbst schuld“ an ihrer Lage, sagte Schäuble.

Joachim von Braun betonte, trotz der derzeit sinkenden Agrarpreise sei die Nahrungsmittelkrise nicht erledigt. Die Finanzkrise führe zwar zu einer geringeren globalen Wirtschaftsleistung und damit auch zu einer geringeren Nachfrage nach Lebensmitteln. Doch werde es wegen der Bankenkrise auch schwieriger, Kapital für Investitionen in die Produktivität der Kleinbauern zu bekommen. Braun forderte eine bessere Regulierung der Warenterminbörsen und weltweit koordinierte Getreidereserven. Zudem verlangte Braun eine Änderung der Biokraftstoffpolitik der EU und der USA. Der Anteil des Biosprits am Preisanstieg liegt nach Berechnungen der Hungerexperten bei 30 Prozent. deh

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