Zeitung Heute : Eine Million in Birma obdachlos

Militärregierung meldet nun mehr als 22 000 Tote und 41 000 Vermisste / Einreise von Helfern abgelehnt

Jakarta/Berlin - Durch den Zyklon „Nargis“ sind in Birmas Irrawaddy-Flussdelta nach offiziellen Angaben 22 000 Menschen umgekommen, weitere 41 000 werden in der Region vermisst. Die internationale Hilfsorganisation ActionAid geht sogar von mindestens 27 000 Todesopfern aus. Eine Million Menschen sind obdachlos. Darüber hinaus seien in der nordöstlich des Deltas gelegenen Wirtschaftsmetropole Rangun fast 700 Menschen gestorben, berichteten Staatsmedien am Dienstag. 360 Bewohner gelten als vermisst.

Mit den jüngsten Meldungen korrigierte Birmas Militärregierung ihre Angaben zu Opfern am dritten Tag hintereinander jeweils dramatisch nach oben. „Mich würde nicht wundern, wenn die Zahl der Toten 50 000 erreicht“, sagte Dan Collinson, ein Sprecher von „Save the Children“ , der Nachrichtenagentur AFP. Die britische Kinderhilfsorganisation ist in Birma nach eigenen Angaben mit 500 Mitarbeitern vertreten, die derzeit in den Katastrophengebieten helfen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass 24 Millionen Menschen, knapp die Hälfte der Bevölkerung Birmas, von dem Wirbelsturm betroffen sind.

Meteorologen in Indien teilten mit, dass sie Birmas Behörden vor dem Sturm gewarnt hätten. „48 Stunden bevor Nargis zuschlug, wiesen wir auf Stärke und Ankunftsort hin. Wir sind stolz darauf, dass wir rechtzeitig warnten. Es gab genügend Zeit für Vorsichtsmaßnahmen“, sagte der Sprecher von Indiens staatlicher Meteorologie-Behörde. Birma sei seit Ende April insgesamt 41 Mal darüber informiert worden, dass sich in indischen Gewässern ein Wirbelsturm zusammenbraue. „Obwohl sie von der Gefahr wussten, warnten Birmas Staatsmedien ihre Bürger nicht“, kritisierte Laura Bush, die Gattin des US-Präsidenten George W. Bush, die sich regelmäßig zu Vorgängen in Birma äußert.

Vier Tage nach dem Wirbelsturm sind in manchen Katastrophengebieten einige Hilfsaktionen angelaufen. Mitarbeiter von Birmas Rotem Kreuz verteilten zusammen mit Soldaten Reis. „Wir tun unser Bestes“, sagte General Kyaw Hsan, Birmas Informationsminister, bei einer der seltenen Pressekonferenzen in dem abgeschotteten Staat in Rangun. „Die Aufgabe ist weitreichend, und die Regierung braucht Kooperation der Menschen im In- und Ausland.“ Die Junta hat UN-Helfern und westlichen Mitarbeitern internationaler Hilfsorganisationen bislang offenbar keine Einreisevisa erteilt. Bernd Schell, Regionaldelegierter Südostasien des Deutschen Roten Kreuzes, hat bisher vergeblich versucht, von Bangkok aus nach Birma einzureisen. Er sagte dem Tagesspiegel: „Wir versuchen Visa zu bekommen, aber die Regierung lässt noch keine ausländischen Helfer rein. Unsere Anträge sind von der Botschaft abgelehnt worden.“ Von den Hilfsangeboten will Birma nur jene aus „befreundeten“ Staaten wie China, Thailand oder Indien annehmen. „Sie haben unsere Direkthilfe nicht akzeptiert“, sagte Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner. „ Lassen Sie die USA kommen und Ihnen helfen“, forderte Bush Birmas Generäle auf.

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