Zeitung Heute : Eine Misere auch für Pensionäre

Mit jedem Jahr wird der Altersentlastungs- und der Versorgungsfreibetrag verringert

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Der Gesetzgeber wird vom nächsten Jahr an die Steuerschraube bei allen Alterseinkünften anziehen. Von den Veränderungen sind vor allem Renten betroffen, aber auch Ruhestandsbeamte und ExAngestellte mit Betriebspensionen können vom Fiskus stärker als bisher zur Kasse gebeten werden.

Pensionäre verlieren ab 2005 den Arbeitnehmerpauschalbetrag von 920 Euro. Stattdessen müssen sie sich (wie Rentner auch) mit 102 Euro Werbungskostenpauschale abfinden. Damit sich ihre Steuerlast aber nicht schlagartig erhöht, hat sich der Gesetzgeber einen „Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag“ ausgedacht. Der beläuft sich im nächsten Jahr auf 900 Euro. Er steht allen zu, die jetzt bereits eine Pension beziehen und allen, die 2005 erstmals das staatliche Ruhegeld bekommen werden. Der Zuschlag gilt in dieser Höhe für diesen Personenkreis bis zum Ende des Versorgungsbezugs.

Alle, die nach 2005 erstmals eine Pension bekommen, erhalten je nach Eintrittsjahr auf Dauer einen geringeren Zuschlag zum Versorgungsbezug. Das bedeutet für alle, die nach dem Jahr 2040 erstmals eine Pension beziehen, dass sie leer ausgehen. Damit wird auch hier die vom Gericht geforderte Gleichstellung vollzogen.

Werbungskosten oberhalb der Pauschale, beispielsweise Ausgaben zur Sicherung der Pension durch eine juristische Auseinandersetzung, sind wie bisher in voller Höhe absetzbar. Da die Pauschalgrenze von 102 Euro schnell erreicht ist, kann es sich vom nächsten Jahr an mehr als bisher lohnen, alle Belege und Rechnungen über solche Ausgaben zu sammeln, dazu gehören zum Beispiel auch Fahrtkosten zum Anwalt oder zum Gericht.

„Der Versorgungsfreibetrag ist das größte Opfer, das Pensionären vom Alterseinkünftegesetz auferlegt wird“, meint Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbandes der Lohnsteuerhilfevereine. Er wird von derzeit maximal 3072 Euro schrittweise auf Null abgeschmolzen. Wer in diesem Jahr bereits Pensionär ist, behält den jetzigen Versorgungsfreibetrag über die gesamte Laufzeit des Versorgungsbezugs. Ab 2005 verringert sich der Versorgungsfreibetrag jährlich prozentual für alle, die erstmals eine Pension bekommen. Wer beispielsweise 2010 pensioniert wird, darf nur noch 32 Prozent seiner Pension, maximal 2400 Euro geltend machen. „In dieser Höhe bleibt ihm der Versorgungsfreibetrag dann aber erhalten, solange er die Pension bezieht“, beruhigt Steuerexperte Rauhöft.

Pensionäre, die bereits ihren 65. Geburtstag gefeiert haben, dürfen den so genannten Altersentlastungsbetrag nutzen. Das ist ein Freibetrag für alle Senioren, die neben ihrer Rente oder Pension noch andere Einkünfte haben, zum Beispiel als Arbeitnehmer, aus selbstständiger Tätigkeit, aus Vermietung oder Kapitalvermögen. Sie dürfen bisher 40 Prozent dieser Einnahmen, maximal 1908 Euro, steuerfrei kassieren.

Auch der Altersentlastungsbetrag wird bis 2040 auf Null gesenkt. Hier gilt das gleiche Prinzip wie beim Versorgungsfreibetrag: Die Höhe sinkt mit jedem Jahr. Ein Pensionär, der im nächsten Jahr 65 wird, darf 2005 und in jedem Folgejahr, das er erlebt, maximal 1900 Euro der begünstigten Einkünfte steuerfrei kassieren. Feiert ein Pensionär erst 2006 seinen 65. Geburtstag, bleiben Mieten, Zinsen, Arbeitslohn oder Gewinn nur noch bis 1824 Euro steuerfrei. H.W.F./Ftx

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