Zeitung Heute : Eine reiche Stadt Preußens

In diesem Jahr wird das 300-jährige Bestehen Charlottenburgs gefeiert

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Die Urkunde, die Charlottenburg einst den Namen und das Stadtrecht verleihen sollte, wurde aus unbekannten Gründen nie ausgefertigt. Das macht aber nichts, denn zumindest der schriftliche Befehl von König Friedrich I. blieb in einem Brief erhalten, der vom 5. April 1705 datiert. Das Schreiben ist der Anlass dafür, dass 2005 das 300jährige Bestehen Charlottenburgs gefeiert wird. Den Höhepunkt bildet vom 17. bis 19. Juni ein Jubiläumsfest in der Schloßstraße und auf dem Vorplatz des Schlosses. Die Organisatoren sind dieselben wie bei der Langen Nacht des Shoppings – denn das „Werbeteam Berlin“ hat eine Ausschreibung des Bezirksamts gewonnen.

Friedrich I. ehrte mit der Umbenennung des Schlosses Lietzenburg in Charlottenburg seine kurz zuvor verstorbene Gattin Sophie Charlotte. In der zur Stadt erhobenen Siedlung in der Umgebung wohnten Bedienstete des Hofs. 1720 wurde das Dorf Lietzow eingemeindet. Mitte des 19. Jahrhunderts begann dann der Aufschwung: Charlottenburg entwickelte sich zu einer der reichsten Städte Preußens.

Aus einem Knüppeldamm in Sumpfgelände wurde in den 1880er Jahren auf Initiative Bismarcks der bekannteste deutsche Boulevard – der 54 Meter breite und 3,5 Kilometer lange Kurfürstendamm. Etwa zur selben Zeit enstand die Technische Universität aus mehreren Vorgänger-Instituten. Die Preußische Akademie der Künste wurde bald darauf zur Hochschule der Künste (heute: Universität der Künste). 1897 eröffnete das Theater des Westens, das Schiller-Theater folgte 1907. Die Deutsche Oper nahm 1912 ihren Betrieb auf.

Das Rathaus mit seinem 89 Meter hohen Turm hatten Bürger selber finanziert; jetzt wird auch das 100-jährige Bestehen des im Mai 1905 eröffneten Baus an der Otto-Suhr-Allee gefeiert.

Doch längst nicht alle Charlottenburger waren wohlhabend. Es gab armselige Arbeiterwohnsiedlungen, die besonders durch Zilles „Miljöh“-Schilderungen bekannt wurden.

Durch die Eingemeindung nach Groß-Berlin wurde Charlottenburg 1920 zum Bezirk – der seit 2001 zum Großbezirks Charlottenburg-Wilmersdorf gehört. In den 20er und 30er Jahren werteten das Messegelände und das Olympiastadion den Stadtteil weiter auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders nach dem Mauerbau 1961 galten der Kurfürstendamm und Umgebung als „Schaufenster des Westens“. Daher war der Ku’damm das erste Ziel vieler Ost-Berliner, als die Mauer 1989 fiel.

Allerdings verlor der Boulevard nach der Wiedervereinigung auch seinen exklusiven Status. Heute zieht die City-Ost als historische Mitte Berlins oft mehr Interesse auf sich. Eine Zeitlang befürchteten Bezirkspolitiker sogar, der Ku’damm werde zur Ramschmeile. Bekannte Cafés, Kinos und Geschäfte schlossen und wurden zum Teil durch Filialen von Textilketten ersetzt. Doch inzwischen gibt es wieder einen gegenteiligen Trend, viele Luxusgeschäfte haben sich neu am Ku’damm angesiedelt. CD

Das Bezirksamt hat ein Buch „300 Jahre Charlottenburg – Von Charlottes Schloss zur Berliner City“ (ISBN 3-00-015120-6) herausgeben. Es ist für 10 Euro im Buchhandel, in den Bürgerämtern und Bibliotheken des Bezirks und im Rathaus Charlottenburg erhältlich.

Das Veranstaltungsprogramm zum Jubiläumsjahr findet sich im Internet unter www.charlottenburg-wilmersdorf.de.

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