Zeitung Heute : "Eine Revolution kommt" - Amazon-Deutschland-Chef Humm über die Rolle des Internets

Seit Januar sind Sie Chef Amazon Deutschland.

Philipp Humm (40), ist Geschäftsführer der Amazon.de GmbH. Zuletzt war er bei der Handelskette Plus tätig. Mit ihm sprach sprach Corinna Visser.

Seit Januar sind Sie Chef von Amazon Deutschland. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Wir werden über das Internet die größten Veränderungen erleben, die wir je im Einzelhandel gesehen haben. Das finde ich spannend. Außerdem ist Amazon weltweit der führende Onlinehändler und daher auch der attraktivste Partner, um in Deutschland zu arbeiten.

Obwohl Amazon der weltgrößte Onlinehändler sein mag, noch macht das Unternehmen Verluste?

Das ist richtig. Allerdings haben wir im vierten Quartal 1999 gezeigt, dass wir im Buchhandel durchaus Geld verdienen.

Was betrachten Sie denn als Stammgeschäft?

In Deutschland sind das noch Bücher, gefolgt von Musik. In den USA haben wir bereits auch Spielzeug, Unterhaltungselektronik, Haushaltswaren und Werkzeuge. Unsere Vision ist, das kundenorientierteste Unternehmen zu sein. Das heißt, wir wollen dem Verbraucher alles anbieten, was er im Netz haben möchte.

Was könnte das alles sein?

Alles. Wir sehen da keine physischen Beschränkungen. Das heißt aber nicht, dass wir das alles selber anbieten müssen. Wir werden nicht Autos oder Häuser auf Lager haben. Aber wir werden Partner aussuchen, die dann über uns eine Verbindung zum Verbraucher haben.

Es geht also nicht um das Was, sondern darum, wie man Geschäft aus dem Internet am besten abwickelt?

Richtig. Im Buchbereich erkennt man einfach am besten den Nutzen des Internets. Das kann der Verbraucher dann auf andere Bereiche übertragen. Wenn der Kunde bei Amazon Bücher einkauft, kann er eine Million Titel direkt im Katalog finden, das gibt es in keinem Buchladen. Das Internet bietet die breite Auswahl an 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche plus Service, wie etwa die Rezensionen. Der Kunde zahlt dafür nicht mehr als im stationären Handel

Wer sind ihre Kunden?

Im Durchschnitt sind sie jünger, gebildeter und wohlhabender als der bundesdeutsche Durchschnitt.

Und wie viel Geld geben die Kunden bei Amazon aus?

Das veröffentlichen wir im Moment noch nicht. Pro Lieferung werden im Schnitt 50 Mark ausgegeben.

Planen Sie auch Kooperationen mit Banken oder Medienunternehmen?

Wir sehen uns als Online-Handelsunternehmen, das ist unser Schwerpunkt. Wir verschließen uns strategisch grundsätzlich vor nichts, aber wir haben im Moment noch nichts konkretes, was wir ankündigen könnten. Ein Zusammengehen wie das von AOL und Time Warner haben wir nicht vor. Wir wollen unabhängig bleiben.

Welche Märkte haben Sie noch im Visier?

Wir sind derzeit präsent in den USA, England und Deutschland und exportieren von Deutschland aus in 83 Länder. Wir werden noch in weitere Länder gehen, wenn wir soweit sind.

Werden wir in Zukunft überhaupt noch Zwischenhändler im Netz brauchen?

Der große Vorteil, den ein Händler dem Verbraucher bietet, ist, dass er Waren herstellerunabhängig bekommen kann. Der Kunde hat einen Buchwunsch und möchte auf der Suche nach dem Titel nicht von Verlag zu Verlag surfen. Wir gehen nicht davon aus, dass ein es irgendwann einmal ein nennenswertes Direktgeschäft in den Bereichen geben wird, in denen wir tätig sind.

Was wird es auf der Cebit Neues geben, das für Ihr Geschäft wichtig ist?

Wir werden eine Internetseite für den Zugang per Handy ans Netz bringen: amazon.de/mobil. Der Kunde wird direkt vom Handy aus bestellen, Rezensionen und Kritiken oder Bestsellerlisten lesen können. Der Verbraucher wird mobil und der Wap-Standard ist sicher der erste Schritt ihn in seiner Mobilität beim Kauf zu unterstützen. Sie können in der Oper gleich die passende CD oder das Buch kaufen.

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