• Eine runde DIE DVD ist das erfolgreichste Speichermedium unserer Tage. Die Filmbranche macht mit ihr mehr Umsatz als an den Kinokassen. Aber in den Labors wird schon am Nachfolger gearbeitet.

Zeitung Heute : Eine runde DIE DVD ist das erfolgreichste Speichermedium unserer Tage. Die Filmbranche macht mit ihr mehr Umsatz als an den Kinokassen. Aber in den Labors wird schon am Nachfolger gearbeitet.

Christoph Koch

Im September 1995 kam die erste DVD auf den Markt, und man könnte sagen, sie entstammte einer „Vernunftehe". Seit Anfang der 90er Jahre hatten nämlich gleich zwei Firmengruppen versucht, ein digitales Medium für den Videomarkt zu entwickeln: Philips und Sony arbeiteten gemeinsam an der „Multimedia Compact Disc“ (MMCD), während ein Konsortium aus Toshiba, Time-Warner und sechs weiteren Elektronikkonzernen die so genannte „Super Density CD“ (SD) entwickelte. Die Konkurrenz weckte indes unschöne Erinnerungen an den Krieg der beiden Videosysteme VHS und Betamax in den Achtzigern, der die Kunden so verunsichert hatte, dass sie sich lange für keines der beiden Produkte entscheiden mochten. Also einigten sich die rivalisierenden Gruppen schließlich auf ein gemeinsames System. Sie nannten es „Digital Video Disc“ – kurz: DVD.

Das Kürzel wurde später in „Digital Versatile Disc“ umgedeutet, was so viel wie „vielseitig" bedeutet und betonen sollte, dass auf dem Medium nicht nur Filme, sondern alle Arten von digitalen Informationen Platz haben.

Die DVD ist dennoch in erster Linie ein Medium des Films. Dass sie ganz neue Möglichkeiten eröffnen könnte, hatten auch die Hollywoodbosse früh erkannt und gefordert, auf einer DVD mehrere Sprachversionen anbieten zu können, einen digitalen Surround-Sound sowie eine Mindestkapazität von 135 Minuten. Doch das sind noch längst nicht alle Vorzüge der DVDs gegenüber den alten Videokassetten: Obwohl sie die gleichen Abmessungen haben wie CDs, speichern DVDs sehr viel mehr Informationen. Nicht nur, dass Bildqualität und Schärfe sich verbessert haben. Es ist auch möglich, auf einer DVD einen Film in gleich acht Sprachen zu synchronisieren oder Untertitel in bis zu 32 Sprachen anzubieten. Auf DVDs ist zudem oft viel so genanntes Bonusmaterial für Filmfans drauf, das auf den Videokassetten keinen Platz gehabt hätte: herausgeschnittene Szenen, alternative Enden oder Dokumentationen der Dreharbeiten. Oder die Audiokommentare von Regisseuren oder Schauspielern: Die Zuschauer sehen den Film – und hören den Filmemacher, der Wissenswertes zu den jeweiligen Einstellungen berichtet.

Inzwischen ist es möglich, sich in ein Inhaltsverzeichnis des Films zu klicken– einzelne Szenen sind in anwählbare Kapitel eingeteilt. Ein Knopfdruck genügt, und man ist mitten drin in Bill Murrays Karaokeszene in „Lost In Translation".

Allerdings hat die neue Technik auch Nachteile: Um es den Filmstudios zu ermöglichen, in den verschiedenen Regionen der Erde unterschiedliche Starttermine für ihre Filme festzulegen (und unterschiedlich hohe Preise zu verlangen), wurden DVDs mit einem Ländercode ausgestattet. Der legt fest, für welchen Markt die DVD bestimmt ist. Code 1 steht zum Beispiel für USA und Kanada, Code 2 für Europa, Japan und den Mittleren Osten, Code 3 für Südostasien. DVD-Player können in der Regel nur solche DVDs abspielen, die für ihren Markt produziert wurden.

Bei den Musikvideos, die auf DVDs erscheinen, ist das anders, weil sie weltweit zur gleichen Zeit veröffentlicht werden. Sie haben den Ländercode 0 – diese DVDs sind überall abspielbar.

Fast zwei Drittel der Filmeinnahmen stammen mittlerweile aus dem Verkauf von DVDs, berichtet der „Spiegel“. Acht von zehn Kinoproduktionen rechnen sich nur noch, weil sie auch auf DVD vermarktet werden. Innerhalb von fünf Jahren schnellten die Verkaufszahlen allein in Deutschland von zwei auf 65 Millionen Stück in die Höhe. In den USA werden schon über 700 Millionen jährlich abgesetzt.

Bis Ende diesen Jahres wird in jedem zweiten Haushalt in Deutschland ein DVD-Player stehen. Mit dem Medium werden hierzulande bereits über eine Milliarde umgesetzt – an den Kinokassen waren es 2003 850 Millionen Euro.

Nach und nach werden aber auch immer mehr Computer mit DVD-Laufwerken ausgestattet. Immer häufiger wird so auch Computersoftware auf DVD statt auf dem alten Format CD-Rom gespeichert. Reine Audio-DVDs, die Musik in exzellenter Tonqualität beinhalten, sind dagegen nach wie vor eine Randerscheinung. Und auch der gute alte VHS-Recorder kann noch zu gebrauchen sein: Videokassetten findet man derzeit bei ebay oder auf Flohmärkten zum Schleuderpreis.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!