Zeitung Heute : Eine solide Säule

Beim Berliner Handwerk scheint die Talfahrt langsam zu Ende zu gehen

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Das Berliner Handwerk ist ein solider Pfeiler der Berliner Wirtschaft. Ende 2004 waren bei der Handwerkskammer 30 700 Betriebe registriert, die 189 700 Menschen Arbeit gaben. Das Handwerk und die dazu gehörigen Dienstleister bilden derzeit rund 16 500 junge Leute aus. Damit stellt dieser Wirtschaftszweig 29 Prozent aller Ausbildungsplätze in der Stadt. Die Zahl der Betriebe ist 2004 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als elf Prozent oder 3160 Betriebe gestiegen.

Das Jahr 2004 bedeutete für viele deutsche Handwerker eine Zäsur, denn die rotgrüne Bundesregierung hatte am Jahresanfang den Meisterzwang für 53 Handwerke aufgehoben, um Neugründungen zu erleichtern. Dazu gehören Friseure, Fliesenleger, Uhrmacher, Goldschmiede oder Fotografen. 1765 neue Firmen wurden in diesen Handwerken im vergangenen Jahr in Berlin gegründet. Ihre Gesamtzahl stieg auf knapp 3800. Doch auch die Zahl der Firmen, deren Gründer und Geschäftsführer einen Meisterbrief oder eine vergleichbare Qualifikation brauchen, nahm erstmals seit sechs Jahren wieder zu: um 273 auf 16 271 Betriebe. Zu dieser Gruppe gehören Fleischer, Bäcker, Konditoren, Maurer, Dachdecker oder Maler. Beim handwerksähnlichen Gewerbe, zu dem beispielsweise Schneider, Speiseeishersteller oder das Bestattungsgewerbe gehören, gab es 1120 Neuanmeldungen. Ihre Zahl stieg auf 10 613 Unternehmen. In allen drei Sparten wächst die Zahl der Kleinstbetriebe mit bis zu vier Mitarbeitern: Ende 2004 gehörten 71 Prozent der Betriebe in diese Kategorie, im Jahr zuvor waren es noch 67 Prozent gewesen.

Die Zahl der Erwerbstätigen im Berliner Handwerk ist jedoch weiter rückläufig: Sie sank 2004 um 3830 Menschen, 2003 waren noch mehr als 12 000 Jobs verloren gegangen. Die Nettoumsätze im Berliner Handwerk summierten sich 2004 auf rund 10,4 Milliarden Euro, rund 499,1 Millionen Euro weniger als 2003. HS

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