Zeitung Heute : Eine spannende Sache

Der Tagesspiegel

Von Heidemarie Mazuhn

Jürgen Lange ist ab 1. Juli der neue Direktor des Zoologischen Gartens. Für den 60-jährigen promovierten Biologen entschied sich am Montagabend der Aufsichtsrat der Zoo AG. Über vier Stunden hatte das zwölfköpfige Gremium zuvor in überaus geheimer Sitzung über einen Nachfolger für den amtierenden Chef, Hans Frädrich, gebrütet. Der studierte Biologe ist seit 1991 Zoodirektor und hatte bereits vor Jahren angekü ndigt, dass er mit seinem 65.Geburtstag 2002 aus dem Amt scheidet.

Der „Neue“ ist in Berlin ein „Alter“ und den Zoofreunden seit 1977 als Direktor des Aquariums bestens bekannt. Für etwa 10000 Tiere trug dort Jürgen Lange bisher die Verantwortung – darunter mit 323 Schlangen auch allerlei giftiges Getier. Den geübten Umgang damit wird der freundliche Mann vielleicht brauchen können, wenn er ab 1. Juli das Wohl und Wehe der insgesamt 13721 Tiere und 270 Mitarbeiter im Zoo in seine Regie übernimmt. Sozusagen von der Schlangen- in die Löwengrube könnte er da fallen, hat doch die nun glücklich geendete Wahl des neuen Chefs der Arche Noah, wie berichtet, viel Staub im gepflegten Zoo aufgewirbelt.

Dort zwitscherten seit vergangenem Sommer allerlei Spatzen von den Dächern, dass Alt-Zoodirektor und Aufsichtsratsmitglied Heinz-Georg Klös seinen Sohn Heiner auf den Chefsessel hieven wolle. Was unter der Belegschaft zu so viel Unruhe geführt haben soll, dass der Zoo-Aufsichtsrat sich mehr oder minder gezwungen sah, den Posten des Frädrich-Nachfolgers öffentlich auszuschreiben. Zwölf bewarben sich, sechs kamen in die engere Wahl. Um diese kochten die Gerüchte bis zuletzt, sogar anynome Briefe flatterten dazu dem Tagesspiegel in die Redaktion. Noch am vergangenen Sonntag verbreitete eine „geheime Zooinformationen“, dass das Büro von Heiner Klös die „Rumpelkammer des Professor Unrats“ genannt werde.

Mit der Wahl von Jürgen Lange ist der dem Zoo unwürdige Tratsch hinter den Kulissen nun hoffentlich beendet. „Mittags wurde mir gesagt, ich soll mich zum Gespräch bereit halten“, sagte gestern der seit 1970 „im Zoogeschäft tätige“ Noch-Aquariumschef. Außer Lange hatte sich mit Tierparkdirektor Bernhard Blaszkiewitz noch ein Berliner beworben, außerdem Zoo-Fachleute aus Dresden, Duisburg, Bern, einer aus einem Safaripark.

Lange freut sich auf den neuen Job. Er fühle sich nicht – wie bereits gemunkelt – als Interimslösung für seinen ab 1. Juli Vize Heiner Klös – sondern habe ehrlichen Herzens seinen „ Hut in den Ring“ geworfen. Und er geht nicht davon aus, von der Schlangen- in die Löwengrube zu wechseln, sondern davon, dass man im Zoo „nun wieder nach vorn guckt“. Er will das jedenfalls – den historischen Zoo in einem Berlin zu leiten, das selbst im Umbruch ist, das ist für ihn „eine spannende Sache“. Ins „kalte Wasser“ springt der in Wuppertal und Kiel studierte Biologe und Humanmedizin nicht zum ersten Mal in Berlin. Bereits 1972 hatte der Zoo den gebürtigen Dessauer, der in den 50ern über Berlin in den Westen kam, hierher gerufen. Damals arbeitete er in der „Wilhelma“ – dem zoologisch-botanischen Garten in Stuttgart. Den zweiten Ruf an die Spree schlug er nicht ab und wurde 1977 Chef der Fische, Reptilien und Amphibien. Jetzt ist er bald auch wieder Chef seines Lieblingstieres. Der Antilope widmete er seine Doktorarbeit.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!