Zeitung Heute : Eine Studie ergab, dass Computer für Kinder alltägliche Gebrauchsgegenstände ohne jedes Hackertum sind

Ali Masarwah

Hinter dem Begriff "Netkids" verbergen sich keine kindlichen Cyber-Helden nach dem Muster von Lara Croft, und "Generation @" ist keine neue Boygroup: Es handelt sich vielmehr um Begriffe, die das Phänomen der zunehmenden Digitalisierung der Kinderwelt umschreiben. Für Kinder sind Computer alltägliche Gebrauchsgegenstände, Begriffe wie "Spielkonsole", "domains" und "webmails" keine Fremdwörter mehr.

Dabei prägt bis heute das Klischee des Computerfreaks und Hackers das Bild des jugendlichen PC-Benutzers. Für viele Erwachsene scheint angesichts der Verbreitung des Internets das Anfang der 80-er Jahre im Film "War Games" geschilderte Szenario, wonach ein 14-Jähriger den Rechner des Pentagon knackt und beinah den nuklearen Holocaust auslöst, nicht aus der Luft gegriffen.

Doch Entwarnung ist angesagt: Die Kinder von heute gehen viel bewusster als erwartet mit den neuen Medien um, und die meisten von ihnen sehen das www als Service- und Informationsmedium. Das belegt eine neue Umfrage unter jugendlichen PC-Benutzern und Internet-Surfern. Die vom Institut für Jugendforschung (IJF) durchgeführte Umfrage hat ermittelt, dass bereits 56 Prozent der Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren Zugriff auf einen Computer haben, Tendenz steigend. Besonders hoch ist der Anteil der 12- bis 14-Jährigen, von denen 73 Prozent einen Computer haben. Bei den 6- bis 8-Jährigen lag der Anteil immerhin noch bei 37 Prozent.

Die Internet-Euphorie in dieser Alterstufe ist weniger stark ausgeprägt. So gehen nur 19 Prozent mindestens einmal monatlich ins Internet. Dabei ist der Anteil der Jungen mit 21 Prozent etwas größer als bei Mädchen, von denen nur 17 Prozent regelmäßig "surfen". Große Unterschiede zeigen sich bei der Altersverteilung: Nur sieben Prozent der 6- bis 8-Jährigen gegen regelmäßig ins www, bei den 12- bis 14-Jährigen sind es schon 24 Prozent. Während bei den 6- bis 8-Jährigen der spielerische Aspekt dominiert, nutzen die älteren Jugendlichen das Internet vorwiegend zur Information und Kommunikation.

Nicht nur die Altersunterschiede sind bei der Internet-Nutzung erheblich, auch die Geschlechtunterschiede in Bezug auf die Anwenderbedürfnisse sind stark ausgeprägt. Mädchen nutzen das Internet zielgerichteter als Jungen. Während 61 Prozent der Jungen "einfach nur rumsurfen", tun dies nur 53 Prozent der Mädchen. Mädchen suchen eher als ihre männlichen Pendents gezielt Informationen, nutzen das Web eher dazu, E-Mails zu schreiben und Chatten häufiger als Jungen.

Dass die Jugendlichen klare Vorstellungen und Erwartungen an das Internet haben, förderte die Studie auch zu Tage: 23 Prozent fanden die Inhalte wenig ansprechend und nicht kindgerecht. Dazu kommt, dass das Internet in Sachen Benutzerfreundlichkeit einiges zu wünschen übrig lässt: 19 Prozent der Kids gaben an, dass sie das Internet für unübersichtlich und wenig bedienungsfreundlich halten. Dass die mangelnde Internet-Euphorie auch finanzielle Gründe hat, belegt der Fakt, dass für 18 Prozent der befragten Kinder die Kosten der Internet-Nutzung zu hoch sind.

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