Zeitung Heute : Eine weltweite virtuelle Sightseeing-Tour

Reinhard Kunzke

Im Gegensatz zum alten südafrikanischen Zulu-Song "The lion sleeps tonight", den die Gruppe The Tokens ( http://www.thetokens.com ) Anfang der sechziger Jahre weltweit populär machte, war der Löwe im KrügerNationalpark in der Nacht am 23. Juni hellwach. Wer gegen vier Uhr in der Früh zufällig über die Seiten der Africam ( http://africam.com ) surfte und die mobile Live-Kamera angeklickt hatte, konnte in Echtzeit beobachten, wie ein Rudel Löwen ein hilfloses Zebra zu Boden riß und zerfleischte. Alle 30 Sekunden schickte die Webcam ein neues Bild ins Internet.

Insgesamt fünf Digitalkameras hat Africam im südafrikanischen Krüger-Nationalpark und in der benachbarten Djuma-Game-Reserve stationiert. Zwei der Live-cams stehen fest positioniert an Wasserlöchern, zwei weitere beobachten den Eingang einer Höhle von Wildhunden und die fünfte wechselt ab und an den Standort. Täglich 24 Stunden lang senden die Kameras Standbilder ins Word-Wide-Web. Die größte Chance, Elefanten, Giraffen und Leoparden online am heimischen PC-Monitor zu sehen, besteht während der Trockenzeit von April bis zum Spätherbst frühmorgens von sechs Uhr an. Langschläfer klicken den Button "Highlights" an und gelangen zum Archiv der aufsehenerregendsten Bilder.

Weit mehr als 1000 solcher Live-Kameras gibt es mittlerweile rund um den Globus. Gute Ausgangspunkte für eine virtuelle Sightseeing-Tour durch alle Kontinente sind die deutschsprachige Startseite des Webcam-Navigators ( http://www.netcamera.de ) oder die englische Homepage der earthcam ( http://www.earthcam.net ): So ist im Internet der Kurfürstendamm in Berlin ( http://www.cityscope.de ) nur ein paar Mausklicks von der Champs Elysées in Paris ( http://www.allocine.fr./live ) oder vom Londoner Oxford Circus ( http://www.fujiint.co.uk/street/index.html ) entfernt.

Nach der Reisemaxime, nicht nur "Land", sondern auch "Leute kennenzulernen", offeriert das Internet auch virtuelle Besuche bei real existierenden Menschen. Der Holländer Alex van Ex aus Apeldoorn ( http://www.icepick.com ) beispielsweise hat sein gesamtes Haus mit Webcams und Scannern verkabelt. Kameras schweben über der Eingangstür, vor dem Kühlschrank und in fast allen Räumen. Bevor Alex eine leere Konservendose in den Abfall wirft, scannt er das Etikett mit den Codestrichen in seinen Computer ein. Auch sein Telefon hat er mit dem Internet vernetzt, so daß Alex auf seiner Homepage zum gläsernen Menschen geworden ist.

Am Schluß der Internet-Reise um den Globus steht die Mutter aller Webcams. Im Computerlabor der Universität von Cambridge hat 1991 alles angefangen. Da das Institut damals nur eine einzige Kaffeemaschine besaß und die Mitarbeiter aus entfernten Büros unnötige Gänge vermeiden wollten, wurde eine Live-Kamera installiert. Seitdem sendet sie den Pegelstand des Kaffees in der gläsernen Kanne direkt ins Netz ( www.cl.cam.ac.uk/coffee/coffee.html ).

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