Zeitung Heute : Eine wissenschaftliche Begegnungsstätte

Die Geschichte des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin begann zu Zeiten, als die Mauer noch stand und nur Japaner an ihren Fall glaubten

Rolf Brockschmidt

Was haben ein Symposium über „Biotechnologie und Tierzucht“, ein Seminar über „Civil Rights und Grundrechte in ihrer Bedeutung für die Rechtsanwendung“ oder eine Tagung „Jugendgewalt – Ausmaß, Ursachen und Prävention im internationalen Vergleich“ gemeinsam? Alle Veranstaltungen fanden im Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin statt, das heute mit einem Festakt und einer Konferenz zu „Human Security“ in Dahlem seinen 20. Jahrestag begeht. Die Beispiele stehen stellvertretend für das große Spektrum an Themen, die das Zentrum in der Vergangenheit bilateral, wenn nicht gar tri- oder international abgehandelt hat. So hatten es sich auch die Gründerväter gedacht.

Die Geschichte des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin als vornehmlich wissenschaftliche Begegnungsstätte reicht trotz der vermeintlich kurzen Zeit von 20 Jahren weit zurück in eine andere Welt, in der die Mauer noch stand, das Diplomatenviertel in Tiergarten eine Wildnis mit Ruinen war und die beiden Großmächte einander bis an die Zähne bewaffnet gegenüber standen. Bei einer Reise nach Japan 1983 hatten Bundeskanzler Helmut Kohl und der japanische Premierminister Yasuhiro Nakasone vereinbart, die ehemalige japanische Botschaft an der Tiergartenstraße durch eine bilaterale wissenschaftliche Begegnungsstätte wieder zu beleben. Das traf sich gut mit den Plänen des Senats, 1987 anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums Berlins das Diplomatenviertel aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken.

Einzigartig ist die Finanzierung dieser Einrichtung, die alle Veranstaltungen mindestens bilateral ausrichten muss. Das gilt auch für die vielen kulturellen Ausstellungen, bei denen in der Öffentlichkeit fälschlicherweise oft der Eindruck entsteht, das JDZB sei ein japanisches Kulturinstitut. Die Stiftung JDZB wurde am 15. Januar 1985 gegründet. Die deutsche Seite verpflichtete sich, das Stiftungskapital von damals 15 Millionen DM bereit zu stellen, während die japanische Seite die 45 Millionen DM für die Wiederherstellung des alten Botschaftsgebäudes aufbrachte, ein Viertel des japanischen Beitrags wurde von japanischen Unternehmen gespendet.

Über die Wiederherstellung des japanischen Botschaftsgebäudes aus der Zeit des Nationalsozialismus ist zu West-Berliner Zeiten viel diskutiert worden. Doch der erste Generalsekretär des Zentrums, Thilo Graf Brockdorff, hatte damals schon gesagt, dass entscheidend sei, welcher Geist die Arbeit des Zentrums bestimme. Die japanische Regierung hatte sich in den Verhandlungen vorbehalten, dass im Falle einer Änderung der politischen Lage Japan wieder Anspruch auf seine Botschaft in Tiergarten erheben werde. Eine Klausel, die zu der Zeit von den Deutschen ein wenig belächelt wurde, denn an die staatliche Einheit Deutschlands mit einer japanischen Botschaft in Berlin glaubte niemand.

Mit dem anstehenden Umzug der Bundesregierung nach Berlin war klar, dass Japan wieder seine alte Botschaft nutzen werde. Rechtzeitig wurde mit Hilfe des Bundes 1998 mit dem ehemaligen Unteroffiziersclub der USA in der Saargemünder Straße, Ecke Clayallee, ein Ausweichquartier gefunden, das mit einem modernen Verwaltungsbau ergänzt wurde und so funktionaler ist als ein Botschaftsgebäude. Mit dem Umzug nach Dahlem verlor das Zentrum zwar seine prominente Lage in Mitte, aber dafür liegt es jetzt jeweils auf halbem Weg zwischen den Amtssitzen der Berliner und Brandenburger Regierungen.

Unter den zahlreichen wissenschaftlichen Konferenzen aus allen Themenbereichen bleibt eine aus dem Jahre 1991 in Erinnerung. Ein Treffen asiatischer Germanisten – Konferenzsprache war Deutsch – diente plötzlich als Forum dafür, dass Chinesen aus Peking und Taipeh, Koreaner, Japaner und Deutsche auch über ihre Beziehungen zueinander diskutierten. Und unvergessen bleibt die Entschuldigung des Präsidenten der Japanischen Gesellschaft für Germanistik, Kozo Hirao, der den asiatischen Nachbarn dankte, dass sie trotz der goldenen Chrysantheme (das damalige kaiserliche Wappen, Anmerk. d. Red.), die noch immer das Gebäude ziert und unter deren Zeichen Krieg und Verderben über sie gebracht wurden, der Einladung gefolgt seien. Am Ende dieser bewegenden Tagung hatte man das Gefühl, dass alle Teilnehmer einander deutlich näher gekommen seien. Mit zwei Symposien versuchte das JDZB, auch einen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte des Zweiten Weltkriegs – einschließlich in Asien – zu leisten. Keine leichte Aufgabe, wie man an der gegenwärtigen Situation der Proteste von China und Korea gegen ein japanisches Schulbuch sehen kann. Altbundeskanzler Helmut Schmidt mahnt dazu in der aktuellen Festschrift des Zentrums, dass eine Aufarbeitung der japanischen Geschichte und eine entsprechende Erklärung des Parlaments mehr Vertrauen in der Region schaffen und damit Japans außenpolitischen Aktionsradius erweitern würde. Ein Thema, das gut zum JDZB passen würde.

Das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin hat in seinen politischen Tagungen und Symposien oft Aktualität bewiesen: auf die sich verändernde Welt nach dem Fall der Mauer reagiert, aber auch auf die neue Weltlage nach dem 11. September. Im Laufe seiner Arbeit ist das Zentrum auch immer mehr zu einer Institution der Politikberatung für beide Regierungen geworden.

Darüber hinaus hat das Zentrum im Lauf seiner Geschichte viele Begegnungen organisiert. In Zukunft soll der Jugendaustausch intensiviert werden. Und neben Sprachkursen für Japanisch bietet das JDZB eine gut ausgestattete Bibliothek zu Japan. Mit den Ausstellungen, den Dahlemer Musikabenden und dem „Tag der Offenen Tür“ (18. Juni 2005) wird auch künftig der Kontakt des Zentrums zu einer breiten Öffentlichkeit hergestellt.

Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin

Saargemünder Straße 2,

14 195 Berlin

Tel: 839 07 -0

Internet: www.jdzb.de

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