Zeitung Heute : Einen eloquenten Mund

Der Tagesspiegel

Staunend hingen die anderen an Ihren Lippen. Sie sind ungezwungen vor den hundertsechzig Seminarteilnehmern auf und ab geschlendert, haben unterhaltsam Ihre These entwickelt und mit witzigen Beispielen illustriert. Die Dozentin hatte Weihnachtsglanz in den Augen und bot Ihnen spontan eine Assistentenstelle an. Wie bitte, so war es nicht? Stattdessen feuchte Hände, trockene Kehle, und die Kommilitonen schielten auf die Uhr? Kein Grund zu verzagen. Die wenigsten sind auf Anhieb genial, und hinter jedem guten Referat steht eine Technik, die man lernen und trainieren kann. Hier einige Grundregeln:

Begeistern Sie sich!

Auch wenn Sie bei der Referatvergabe das langweiligste Thema abbekommen haben: Reden Sie sich ein, es wäre das Faszinierendste auf der Welt. Wenn es Ihnen gelingt, engagiert über eine Sache zu reden, überträgt sich das auch auf die Zuhörer.

Nehmen Sie sich nicht zu viel vor!

Versuchen Sie nicht, mehr Informationen unterzubringen, als ihre Zuhörer verkraften können. Sie selbst kennen sich aus, die anderen aber noch nicht. Lassen Sie lieber ein paar weniger wichtige Punkte weg und erklären Sie die übrigen ausführlich - auch Beispiele helfen.

Gliedern Sie Ihr Referat!

Machen Sie sich vorher klar, in welcher Reihenfolge Sie etwas sagen wollen - und kündigen Sie diese Schritte an. Auch Pausen sind ein Gliederungsmittel. Fassen Sie zum Schluss das Wichtigste zusammen, dann können die Zuhörer die Ergebnisse kompakt nach Hause tragen.

Üben Sie den Vortrag laut!

Machen Sie mindestens einen Probedurchlauf mit einem Gegenüber - das kann im Notfall auch ein Wellensittich sein. So mildern Sie das Lampenfieber, und Unstimmigkeiten fallen einem laut vorgetragen besser auf als auf dem Papier. Schauen Sie vorher und nachher auf die Uhr, damit Sie wissen, ob Sie den vorgegebenen Zeitrahmen sprengen.

Sprechen Sie frei!

Das ist nicht so schwer, wie es klingt. Trauen Sie sich, beim Sprechen in die Runde zu sehen. Der Blickkontakt hilft Ihnen, auf die Zuhörer zu reagieren: Wenn zwanzig Leute die Stirn runzeln, wird es vielleicht Zeit, ein Zwischenergebnis noch einmal zu wiederholen oder das Tempo zu drosseln. Niemand nimmt es Ihnen übel, wenn Sie sich mal verhaspeln - wer dagegen mit monotoner Stimme Druckreifes in seinen Bart murmelt, hat schon verloren. Schriftliche Notizen sind natürlich sinnvoll und erlaubt, aber nur als Erinnerungshilfe. „Kondensieren" Sie bei der Vorbereitung das Referat immer stärker, dann können Sie es beim Vortrag fast auswendig und brauchen nur noch einen Stichwortzettel.

Hilfreich zum Vertiefen und Weiterüben: Marita Pabst-Weinschenk: Reden im Studium - ein Trainingsprogramm. Berlin, Cornelsen 2000, 12,90 Euro.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

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