Zeitung Heute : Einer auf dem Podest, der andere im Krankenhaus

Michael Schumacher gewinnt den Großen Preis der USA, sein Bruder Ralf übersteht einen schweren Unfall glimpflich

Karin Sturm[Indianapolis]

Ein schwerer Unfall von Ralf Schumacher ließ beim Formel-1-Grand-Prix von Indianapolis alles andere erst einmal zur Nebensache werden – sogar den achten Saisonsieg seines Bruders Michael vor Rubens Barrichello und Takuma Sato. Beim Beschleunigen aus der Steilkurve heraus am Ende der 10. Runde drehte sich der BMW-Williams-Pilot bei über Tempo 300 zweimal, knallte in die Betonmauer und blieb mit seinem zerstörten Auto auf der Start-Zielgeraden liegen. Es waren bange Minuten, als Ralf Schumacher fast regungslos im Auto saß, von Ärzten versorgt werden musste, während das Feld rundenlang langsam hinter dem Safety-Car an der Unfallstelle vorbeifuhr. Nach rund acht Minuten hatte man ihn aus dem Auto geborgen, behandelte ihn noch ein paar Minuten lang neben dem Auto auf dem Asphalt liegend, ehe er auf einer Trage vorsichtig in den Krankenwagen gehoben wurde.

Ralf Schumacher hatte noch Glück im Unglück: Er kam, so die ersten Diagnosen aus dem Krankenhaus, mit Prellungen davon. Kopfverletzungen, Knochenbrüche oder innere Vereletzungen wurden bei ihm bei den Untersuchungen nicht festgestellt. Es hieß, er sei vor allem aus Sicherheitsgründen im Auto sitzen geblieben, um eine mögliche Wirbelverletzung nicht zu verschlimmern und nicht von den weiteren Autos gefährdet zu werden. Erst dann wurde er zur Sicherheit zu weiteren Röntgen-Untersuchungen mit dem Krankenwagen ins Indianapolis Methodist Hospital gefahren. „Er kann alles bewegen, ist voll transportfähig“, gab BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen schon eine Dreiviertelstunde nach dem Unfall Entwarnung.

Das Rennen in Indianapolis hatte schon chaotisch begonnen: Erst bekam Juan Pablo Montoya in der Startaufstellung ein Problem mit dem Anlasser, das Auto sprang nicht an, er selbst sprang in letzter Sekunde aus seinem Auto, um mit dem Ersatzauto aus der Boxengasse zu starten. Was alles nichts nützte – nach 58 Runden wurde der Kolumbianer mit der schwarzen Flagge aus dem Rennen genommen, der Autowechsel war zu spät erfolgt, der Start in die Aufwärmrunde war bereits freigegeben. Dann knallte es gleich nach dem Start in der ersten Kurve im hinteren Feld, als Christian Klien sich, angestoßen von Cristiano da Matta, drehte, auch Sauber-Pilot Felipe Massa und Giorgio Pantanos Jordan blieben in dem Schlamassel hängen. Zum ersten Mal musste das Safety-Car auf die Strecke.

Als Ende der fünften Runde das Rennen wieder freigegeben wurde, überholte Michael Schumacher seinen Teamkollegen Rubens Barrichello, der zunächst aus der Poleposition in Führung gegangen war. Doch drei Runden später gab es schon die nächste Schrecksekunde, als Fernando Alonso, der sich mit einem sensationellen Start auf Platz drei nach vorne katapultiert hatte, wegen eines Reifenschadens links von der Strecke flog, der Spanier konnte jedoch unverletzt aus dem Renault aussteigen. Dann passierte der Unfall von Ralf Schumacher – und ausgerechnet dessen Bruder Michael war der große Gewinner der folgenden Boxenstopp-Phase, als das Safety-Car wieder auf die Strecke kam: Sein Teamkollege Rubens Barrichello musste hinter ihm an der Ferrari-Box warten und fiel auf Platz sechs zurück.

In der 20. Runde wurde das Rennen wieder feigegeben, Schumacher fuhr einem ungefährdeten Sieg entgegen, sein Teamkollege Rubens Barrichello konnte sich auf dem zweiten Rang festsetzen. Der Brasilianer, der sich in Hochform befindet, seitdem er seinen Fahrstil etwas umgestellt hat – „ich bremse jetzt auch verstärkt mit dem linken Fuß“ – kam Schumacher nach dem zweiten Stopp allerdings noch einmal sehr nahe, startete sogar einen Angriffsversuch, wirklich in Gefahr brachte er den sechsmaligen Weltmeister Schumacher aber nicht mehr.

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