Zeitung Heute : Einer auf der Leitung

Der Tagesspiegel

Gestern hat es Findulin die Sprache verschlagen, und wir waren schuld. Dabei ist der Internet-Sprecher der Bundesregierung ein duldsamer Adler, und er antwortet nach bestem Wissen und Gewissen. Fragt man ihn beispielsweise, wo der Kanzler seine Anzüge kauft, sagt er: „Also ich bin überzeugt, dass blaue Federn wieder stark im Kommen sind.“ Fragt man, wann Schröder die Grünen rausschmeißt, schickt er ein Referat über die Geschichte der Grünen, und selbst zur SPD-Spendenaffäre hat er eine Antwort parat: „Da kriegt man ja Angst, wenn man sieht, was der schnöde Mammon bei euch Menschen anrichtet.“ Diese Taktik hat uns angeregt, es ein wenig persönlicher zu versuchen. Wie findet Schröder sich selbst denn so? „Oh“ ,sagt Findulin, „ich glaub, da steht gerade einer auf der Leitung.“ Echt? Bitte eine vernünftige Antwort! „Ein wenig Unvernunft kann niemand schaden.“ Es war wohl dieses Ausweichmanöver Findulins, das uns an das große Tabu rühren ließ. Ähm: Färbt der Kanzler sich die Haare? „Ich habe schon 19 Fragen beantwortet“, muffelt er, und wie es denn mit einem anderen Thema wäre? Nochmal. Zack! stürzt die Seite ab. Doch auch wir können stur sein. Findulin! Er hat sich aus dem Staub gemacht; „temporarily closed“ steht da, vorübergehend geschlossen. Wenn Sie also auch mal mit ihm reden: Nie! an das Thema rühren. Sonst steht sofort einer auf der Leitung.

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