Zeitung Heute : „Einfach, funktional und sicher“

Achim Berg, der neue Chef von Microsoft Deutschland, will den Umgang mit dem Computer so selbstverständlich machen wie mit einem Haushaltsgerät

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Herr Berg, wie viele Ihrer Mails müssen Sie täglich löschen, weil es sich um Spam-Mails handelt?

Pro Woche sind es etwa drei bis fünf Mails, die als Spam in meinem Posteingang landen. Microsoft hat für seine Server das Thema Spam sehr gut im Griff. Wir haben eine ausgezeichnete Technologie entwickelt, die wir auch für andere Provider kostenlos lizenzieren. Die Filterverfahren zur Abwehr unerwünschter Massenmails haben wirklich große Fortschritte gemacht. Die Technologie kann aber nur zuverlässig funktionieren, wenn klar definiert ist, was als Spam aussortiert werden soll und was nicht. Die Spam-Versender versuchen ja ständig, die Filterkriterien zu umgehen und ihren Müll wie erwünschte Mails aussehen zu lassen. Hier kann der betroffene Empfänger helfen, indem er den Restmüll, der noch nicht automatisch herausgefiltert wird, als Spam meldet. So kann jeder Einzelne dazu beitragen, uns alle noch besser vor Spam zu schützen.

Bis zu 80 Prozent aller E-Mails sind Werbemüll, die man entweder selbst löscht oder von seinem E-Mail-Provider löschen lässt. Und dann muss man sich auch noch um die Virengefahr kümmern. Können Sie verstehen, dass viele Menschen dem Internet mit Misstrauen begegnen?

Das Internet eröffnet uns ungeahnte Möglichkeiten und wird zu einem festen Bestandteil unseres Alltags. Rund 70 Prozent der Deutschen haben inzwischen einen Internetzugang: Sie informieren sich und kommunizieren miteinander, erledigen Bankgeschäfte, kaufen ein und buchen Reisen – alles online. Genau wie bei allem, was wir offline tun, gibt es dabei gewisse Risiken, zumal sich Kriminelle nun auch im Internet ihre Opfer suchen und die Unerfahrenheit vieler Nutzer ganz gezielt ausnutzen. Von daher ist ein gesundes Misstrauen immer angebracht.

Zum Beispiel?

Aber anders als in der Offline-Welt sind die Risiken im Internet für viele Menschen schwer einzuschätzen. Phishing ist nun mal subtiler als ein Handtaschenraub. Daher arbeiten wir einerseits ständig an der Optimierung der IT-Sicherheit. Der neue Internet Explorer enthält zum Beispiel einen eigenen Phishingfilter. Andererseits arbeiten wir mit zahlreichen Partnern in Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft daran, die Menschen über verbleibende Risiken und geeignete Gegenmaßnahmen aufzuklären. Vor zwei Jahren haben wir mit zwölf Partnern die Initiative „Deutschland sicher im Netz“ gestartet. Die Initiative war so erfolgreich, dass sie inzwischen als Verein fortgeführt wird. Bundesinnenminister Dr. Schäuble hat die Schirmherrschaft übernommen. Durch Aufklärung und Hilfestellungen zum sicheren Umgang mit den neuen Möglichkeiten lässt sich das Vertrauen der Anwender in den Computer und das Internet deutlich erhöhen.

Wenn man in Wikipedia den SuchbegriComputerviren eingibt, erhält man einen Beitrag, in dem die Microsoft-Betriebssysteme den größten Platz einnehmen, selbst wenn man den Marktanteil von Windows berücksichtigt. Was ist da falsch gelaufen?

Über die Qualität einzelner Wikipedia-Artikel möchte ich nicht urteilen. Es gibt einige Studien, die Windows mehr Sicherheit bescheinigen, andere wiederum halten Linux oder MacOS für sicherer. Windows ist aber als Marktführer das mit Abstand beliebteste Angriffsziel für Cyberkriminelle, so dass wir uns überproportional vielen Angriffen gegenübersehen. Schon mit dem Service Pack 2 für Windows XP hat Microsoft wichtige Teile des Betriebssystems komplett überarbeitet und dadurch weniger anfällig für Angriffe von außen gemacht. Windows Vista mit dem integrierten Windows Defender und der neue Internet Explorer machen es Angreifern jetzt noch einmal erheblich schwerer, auf dem Rechner Schaden anzurichten. Wir haben damit sogar die Fachpresse beeindruckt, die Windows Vista ein deutlich gestiegenes Sicherheitsniveau bescheinigt.

Kann der Nutzer sich wirklich sicher fühlen?

Eines aber ist auch klar: Hundertprozentige Sicherheit kann es für kein Betriebssystem geben. Für das letzte Stück Sicherheit kommt es im Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Cyberkriminellen darauf an, wer seinen Kunden am schnellsten Abhilfe bereitstellen kann. Bei dieser Reaktionsgeschwindigkeit liegt Microsoft ganz vorn. Und mit Windows Vista werden wir diesen Vorsprung noch deutlich vergrößern.

Vor genau fünf Jahren hat Microsoft ein Programm aus der Taufe gehoben, das den vertrauensvollen Umgang mit dem PC ermöglichen sollte. Zugrunde lag die Erkenntnis, dass es die Nutzer leid sind, sich über immer neue Sicherheitslücken und Bugs zu ärgern. Microsoft hat danach einige neue Entwicklungen auf Eis gelegt, andere verschoben. Hat sich dieser Aufwand gelohnt?

Ja, ganz ohne Zweifel! Die „Trustworthy Computing Initiative“, die Bill Gates vor fünf Jahren gestartet hat, ist ein voller Erfolg geworden. Alle Softwareentwickler haben noch mal die Schulbank gedrückt, um ihre Kenntnisse für die Programmierung von sicherer Software aufzufrischen. Ein neuer Entwicklungsprozess wurde eingeführt, die ganze Architektur des neuen Betriebssystems wurde auf das Ziel Sicherheit hin entworfen, jede Komponente unter diesem Aspekt entworfen, geschrieben und getestet. „Trustworthy Computing“ ist inzwischen ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur von Microsoft. Aber nicht nur an der Technologie haben wir gearbeitet. Auch ein geschärftes Bewusstsein bei den Anwendern für die Risiken aus dem Web ist eine wichtige Voraussetzung für den besseren Schutz. Die schon erwähnte Initiative „Deutschland sicher im Netz“ ist in Teilen von unseren Kollegen in den USA für den amerikanischen Markt übernommen worden. Die Ergebnisse einer von D21 und Microsoft in Auftrag gegebenen Studie belegen sehr eindrucksvoll, dass die meisten der Anwender auch sich selbst in der Verantwortung sehen. Auch die Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden bei der Bekämpfung der Internetkriminalität hat sich enorm verbessert.

Sehen Sie für die Aufklärung über Internetrisiken spezielle Zielgruppen?

Jeder sollte sich angemessen schützen. Aber ein besonderes Anliegen für Microsoft ist die Verbesserung der digitalen Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen. Ihre Internetnutzung ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Im praktischen Umgang mit dem Web sind sie ihren Eltern zum Teil schon überlegen. Allerdings haben sie oft noch kein ausgeprägtes Bewusstsein für die Risiken im Web. Mit dem Lehrerportal „Sicherheit macht Schule“, das wir heute in Berlin vorstellen, hat Microsoft Deutschland zusammen mit kompetenten Pädagogen eine Plattform für den praxisgerechten Einsatz im Schulunterricht entwickelt. Wichtige Internetbegriffe und Web-Risiken werden beispielhaft erklärt, und Lehrer können gemeinsam mit Schülern Strategien entwickeln, um die Gefahren abzuwenden.

Eines kann man den Hackern anscheinend attestieren: Sie sind innovativ. Wäre es somit nicht besser, sie zu den Sicherheitsexperten von morgen zu machen?

Hacker und viele Cyberkriminelle verfügen offenkundig über ein gutes technisches Know-how. Aber wir haben bei Microsoft bereits hervorragende und erfahrene Sicherheitsspezialisten und arbeiten darüber hinaus mit vielen externen Sicherheitsfirmen zusammen. Es wäre daher eher eine moralische Aufgabe, Cyberkriminelle auf den Pfad der Tugend zurückzubringen.

Dass Microsofts neuestes Betriebssystem erst jetzt, über fünf Jahre nach dem derzeit aktuellen, auf den Markt kommt, hat ebenfalls viel mit den Themen Sicherheit zu tun. Glauben Sie, dass mit Windows Vista verloren gegangenes Vertrauen zurückkommt?

Schon vor Windows Vista hat Microsoft in den vergangenen Jahren viel Vertrauen der Kunden in die Windows-Technologie zurückgewonnen. Windows Vista ist nun mit einem neuen Sicherheitskonzept schon vom grundlegenden Design her auf Sicherheit ausgelegt. Das ist ein zentraler Erfolg der „Trustworthy Computing Initiative“. Ein weiterer großer Fortschritt bei Windows Vista ist das Thema Jugendschutz. Mit den neuen Funktionen zur Zugangskontrolle können Eltern die Computernutzung ihrer Kinder beaufsichtigen und gegebenenfalls einschränken, damit ihre Kinder besser vor Bedrohungen aus dem Internet geschützt sind. Mit diesen umfassenden Sicherheits- und Schutzfunktionen werden viele Menschen, die sich bisher noch unsicher fühlten, Vertrauen in die neuen Technologien fassen.

Zum Vertrauen gehört nicht nur die Si cherheit, dass ich als PC-Nutzer vor Gefahren geschützt werde. Ich möchte auch sicher gehen, dass ich auch künftig mit meinem Computer zurechtkomme. Nun haben sich die Menschen gerade mit einem System arrangiert, nun kommt schon wieder das nächste. Wie oft kann man den Nutzern diese immer neuen Veränderungen zumuten?

Die Informationstechnologie zeichnet sich durch eine unglaubliche Dynamik aus. Sie hat unser tägliches Leben, beruflich wie privat, erheblich verändert und eröffnet uns ständig neue Möglichkeiten. Damit steigt aber auch die Komplexität der Programme, so dass wir uns von Zeit zu Zeit für grundlegende Änderungen entscheiden müssen, ohne die bisherigen Nutzer bei dem Wechsel zu überfordern. Mit Windows Vista ist das aus meiner persönlichen Erfahrung heraus hervorragend gelungen.

Wieso?

Die Grundelemente sind aus den vorigen Windows-Versionen bekannt, aber vieles ist nun einfacher, intuitiver und transparenter geworden. Auch unsere zahlreichen Beta-Tester haben die Veränderungen nicht als Zumutung empfunden, sondern als enormen Produktivitätsgewinn. Im neuen Microsoft Office 2007 ist die Einführung einer völlig neuen, dynamischen Menüstruktur eine wirkliche Revolution der Benutzeroberfläche. Sie müssen sich nicht mehr durch zahllose Menüs und Untermenüs klicken, die im Laufe der Jahre mit dem wachsenden Funktionsumfang von Programmen wie Word, Excel und Powerpoint jeweils mitgewachsen waren. Die verfügbaren Funktionen für eine anstehende Aufgabe, zum Beispiel die Formatierung eines Textes, stehen Ihnen nun jeweils wie auf einem Präsentierteller zur Verfügung. Die Zahl der nötigen Mausklicks wird dadurch deutlich reduziert. Eine solche Innovation ist nur auf der Grundlage umfassender Studien möglich. Daher ist viel Forschungsarbeit sowohl in Windows Vista wie in das neue Office-System eingegangen. Die bisherigen Erfahrungen mit Unternehmenskunden zeigen, dass ihnen dieser Umstieg nicht schwer gefallen ist. Auch dies sehen wir als einen Erfolg von „Trustworthy Computing“. Denn dazu gehört es auch, den Umgang mit dem Computer so selbstverständlich werden zu lassen wie den Gebrauch eines guten Haushaltsgerätes: einfach, funktional und sicher.

Das Gespräch führten Kurt Sagatz und Rolf Brockschmidt.

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