Zeitung Heute : Einfach ins Flugzeug setzen und losfliegen

Der Tagesspiegel

Die Menschen träumten einst davon, frei zu sein wie ein Vogel und hinfliegen zu können, wo sie wollen. Die Besucher der Internationalen Tourismusbörse können sich alljährlich davon überzeugen, dass dies mittlerweile möglich ist. Zur Urlaubszeit können sie nicht nur innerhalb der EU, sondern auch in der restlichen Hemisphäre fast überall hinfahren. Das Centrum für Reisemedizin und der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes haben seit einigen Jahren auf der Messe sogar einen eigenen Stand (Halle 7.2b, Stand 05). Doch wer darf umgekehrt einfach so nach Deutschland kommen?

Von den 220 Staaten, die das Auswärtige Amt auf seinen Informationsseiten aufführt, verlangt die Bundesrepublik von den Bürgern von mehr als 150 Staaten ein Visum, damit sie in ihren Gefilden Urlaub machen dürfen. Die Nicht-EU-Bürger, die in Europa das Recht auf unbefristeten Aufenthalt haben, können dagegen innerhalb der 15 Schengen-Staaten visafrei reisen.

Schengen-Staaten sind neben Deutschland die Länder Belgien, Dänemark, Frankreich, Finnland, Griechenland, Italien, Island, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden und Spanien. Aber auch andere Touristen, die für einen der Schengen-Staaten ein Visum bekommen haben, können damit innerhalb der Schengen-Zone herumreisen.

Die Bürger von 55 Staaten können sich ohne Visum und mit einem gültigen Reisepass in ein Flugzeug setzen und nach Deutschland fliegen, weil das Land ihnen zutraut, dass sie in friedlicher Absicht kommen und spätestens nach drei Monaten wieder gehen. Darunter sind Staatsbürger aus Ländern wie Argentinien, Kolumbien, (Südkorea, Kroatien, Malaysia, Paraguay, Litauen, Uruguay und seit kurzem auch Rumänien. Denn die „Rückkehrbereitschaft“ der Reisenden ist eines der wichtigsten Kriterien, um den Eintrag in den Reisepass zu bekommen. „Die Auslandsvertretungen müssen insbesondere zur ’Rückkehrbereitschaft’ und ’Rückkehrmöglichkeit’ des Reisenden eine positive Prognose abgeben“, heißt es auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes.

Viele Menschen zum Beispiel in dieser Stadt haben aber Verwandte in den Visa-Ländern, die sie besuchen wollen. Auf der anderen Seite wird nicht überprüft, ob ein Tourist nach Ablauf seiner Frist tatsächlich ausreist. Letzendlich leben nach Schätzungen etwa 100 000 Menschen illegal in Berlin – ob nun legal oder illegal eingereist. Die Balance zu halten zwischen humanitärem Handeln und den Interessen des eigenen Landes ist eben nicht einfach.

Vor diesem Hintergrund haben im Jahr 2000 die Auslandsvertretungen knapp drei Millionen Visa-Anträge bearbeitet. Zweieinhalb Millionen Menschen haben ein Transit-, Besuchs-, Geschäfts- oder Touristen-Visum bekommen. 374 510 Visa wurden für längere Aufenthalte oder zum Arbeiten ausgestellt, knapp 170 000 Anträge wurden abglehnt. Suzan Gülfirat

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