Zeitung Heute : Einfach mal abschalten

Viele Haushaltsgeräte saugen im Stand-by-Betrieb nutzlos Strom aus dem Kabel. Wer den Computer, den Fernseher oder die Stereoanlage vom Netz trennt, kann sparen

Roland Knauer

Nicht einmal jeder zweite deutsche Haushalt hat Energiesparlampen in die Fassungen geschraubt, weil sie im Vergleich mit herkömmlichen Glühbirnen relativ teuer sind. Genau solche Überlegungen entlarvt die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) als typische Milchmädchen-Rechnung. Zwar kostet eine Energiesparlampe ein Mehrfaches herkömmlicher Leuchtmedien. Im Laufe ihrer Betriebszeit von rund zehntausend Stunden aber spart die gleiche Lampe rund siebzig Euro Stromkosten im Vergleich mit einer Sechzig-Watt-Glühbirne. „Langfristig rechnet sich daher die Energiesparlampe nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel“, fasst dena-Mitarbeiterin Wiebke Ahrens die Kalkulation zusammen.

Energie-Experten kennen solche Rechnungen natürlich längst auch für Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler, Faxgeräte, Fernseher oder Videogeräte. Der Laie dagegen tappt oft genug im Dunkeln. Genau hier setzt eine Kampagne der dena an. Diese Einrichtung wurde 2001 von den Bundesministerien für Umwelt, Verkehr und Wirtschaft gemeinsam mit der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW gegründet. Ganz im Sinne des schlanken und sparsamen Staates bestreitet die dena in Berlin-Mitte ihren Etat nur zur Hälfte aus Steuergeldern. Die andere Hälfte kommt über Aufträge und Sponsorgelder von Wirtschaftsunternehmen.

„Energie-Effizienz rechnet sich und schont die Umwelt“. Diesen Kernsatz will die dena unter die Leute bringen. Biologen bezeichnen ähnliche Situationen mit dem Begriff win-win. Dabei gewinnen alle Beteiligten und keiner steht als Verlierer da. Oft scheitert eine solche win-win-Situation aber am mangelnden Wissen: Vermieter scheuen teure Wärmedämmungen und Heizungssanierungen, weil sie nicht wissen, wie schnell sich solche Maßnahmen rechnen. Der Haushaltsvorstand beschließt den Kauf eines billigen Kühlschranks, obwohl das etwas teurere Modell in zwölf oder fünfzehn Jahren bis zu 300 Euro Stromkosten sparen kann. Deshalb will die dena mit großen Kampagnen die Menschen mit der win-win-Situation vertraut zu machen. Dabei wendet sie sich auch an den Handel. „Schließlich kommt der Kunde ins Elektrogeschäft, wenn er einen neuen Kühlschrank oder eine Leuchte benötigt“, erläutert Wiebke Ahrens die Strategie.

Durch die flott und mit viel Witz vermittelten Informationen könne der Einzelhändler seine Kunden optimal beraten. Vor allem aber treffe er auf offene Ohren, weil der Kunde ja wirklich etwas kaufen wolle. Würde man dagegen Faltblätter an alle Haushalte verteilen, würden die meisten direkt im Müll landen, weil die Empfänger gerade etwas anderes im Kopf hätten. 3500 Einzelhändler beteiligen sich mittlerweile an Aktionen zu Fragen der Beleuchtung und der Beschaffung großer Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen. Und auch der viel diskutierte Stand-by-Betrieb von Fernsehern, Videogeräten und Stereo-Anlagen ist Ziel dieser Kampagne.

Am besten kann man die Menschen mit einfachen Zahlen überzeugen: Bis zu drei Watt braucht ein moderner Fernseher im Stand-by-Betrieb, Altgeräte kommen dagegen auch schon mal auf zwanzig Watt. Aber auch wer sich nicht gerade eine neue Flimmerkiste anschafft, kann bares Geld sparen, ohne viel Bequemlichkeit einzubüßen: Schaltet man zum Beispiel jede Nacht nur für acht Stunden den Fernseher komplett aus, spart man am Jahresende immerhin vier Euro, wenn das Gerät zehn Watt im Stand-by-Betrieb braucht.

Und wer auch noch den PC samt Monitor und Tintenstrahldrucker acht Stunden in der Nacht vollständig abschaltet, spart weitere zehn Euro Stromkosten im Jahr. Da sich Stand-by-Zeiten leicht auch noch stärker reduzieren lassen und etliche weitere Geräte im Haushalt stromfressend in Wartestellung gehen, kann man allein durchs Ausschalten eine Menge Geld sparen und gleichzeitig die Umwelt entlasten.

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