Zeitung Heute : „Einfach mal vorbeikommen“

Arbeitgeber auf Kandidatensuche

Kai Kolwitz

Unternehmen und Institutionen nutzen die Cebit nicht nur zur Darstellung ihrer Produkte, sondern auch, um mit qualifizierten Kandidaten ins Gespräch zu kommen. Welche Talente in diesem Jahr besonders gefragt sind und wie Bewerber die Stellensuche auf der Messe sinnvoll angehen sollten: Karriere & Beruf hat sich bei den Personalverantwortlichen der Aussteller erkundigt. Drei Beispiele aus drei Branchen.

Accenture

Klotzen, nicht kleckern, ist die Devise von Accenture. Rund 700 neue Mitarbeiter suchen die Berater in diesem Jahr. „Für IT-Spezialisten sind dabei zwei Wege denkbar“, sagt Jan Vaterrodt, verantwortlich fürs Recruiting: Zum einen die Fachkarriere, in der es vor allem darum geht, Software zu programmieren und Anwendungen zu entwickeln. Hier kann sich Vaterrodt neben Absolventen auch Kandidaten mit entsprechender Berufsausbildung plus Praxiserfahrung in objektorientierter Programmierung vorstellen. Für die Berater-Laufbahn sollten Bewerber dagegen ein Studium absolviert haben – das kann auch an einer Berufsakademie gewesen sein. Neben Informatikern passen auch Natur- oder Wirtschaftswissenschaftler mit Schwerpunkten im IT-Bereich ins Schema. Was die Kontaktaufnahme am Messestand angeht, bemüht sich Recruiter Vaterrodt darum, Schwellenängste zu nehmen: „Einfach hingehen, es ist immer jemand da.“ Komplette Bewerbungsmappen nimmt man bei Accenture zwar gern entgegen, doch die Kombination aus unverbindlichem Gespräch plus späterer Online-Bewerbung ist mindestens genauso akzeptiert.

Deutsche Bank

Um Niedrigschwelligkeit ist auch Ralf Rudolf vom Hochschulteam der Deutschen Bank bemüht, das sich nach zwei Jahren Pause wieder im „Job & Career Center“ präsentiert: „Wir wollen Bewerbern die Scheu nehmen und stehen selbst auch nicht in Anzug und Krawatte am Stand“, beschreibt Rudolf die Atmosphäre des Messeauftritts. Im EDV-Bereich hat das Unternehmen derzeit rund 30 offene Stellen im Angebot. Da die Bank in Sachen IT einige Bereiche ausgelagert hat, sind weniger Extrem-Programmierer gefragt, sondern eher Bewerber mit organisatorischen und kommunikativen Fähigkeiten, die in der Lage sind, externe und interne Abläufe zu koordinieren. Auch Simulationen sind ein Thema bei der Deutschen Bank – etwa für den Wertpapierbereich oder bei der Prognose industrieller Kapitalströme und ihrer Auswirkungen. Wirtschafts-Informatiker und -ingenieure sind hier erste Wahl. In Sachen Simulation haben sich Rudolf und seine Kollegen auch für den Stand etwas überlegt: das virtuelle Job-Interview. „Bewerber können etwa dreißig Minuten mit einem unserer Personaler ein Gespräch führen. Allerdings ohne, dass danach eine Beurteilung geschrieben wird. Es sei denn, der Kandidat möchte das ausdrücklich.“

Bundeskriminalamt

Freie Stellen für Informatiker und Kandidaten mit verwandten Qualifikationen gibt es auch beim Bundeskriminalamt. Die Behörde sieht seinen Messeauftritt als Gelegenheit, Absolventen auf sich aufmerksam zu machen: „Polizeiarbeit braucht dringend logistische Unterfütterung“, erläutert Pressesprecher Dirk Büchner. „Das Feedback, das wir auf der Cebit erhalten, zeigt uns, dass viele Leute erst hier realisieren, dass auch das BKA ein potenzieller Arbeitgeber für sie sein könnte.“ Interessenten rät er, sich vor dem Messebesuch unter www.bka.de schlau zu machen, welche Stellen derzeit zu besetzen sind. So sucht die Behörde derzeit unter anderem Programmierer, Systemadministratoren und Produktmanager für die internationale Zusammenarbeit im IT-Bereich. Ins Schema passen vor allem Uni- oder FH-Absolventen aus der Informatik. Auch Naturwissenschaftler oder Ingenieure mit entsprechenden Schwerpunkten sind gern gesehen. Und auch hier gilt: Fragen kostet nichts. Büchner: „Wir schauen nicht vorrangig, ob jemand eine fertige Bewerbung dabei hat, wir möchten mit den Leuten ins Gespräch kommen und erklären: Was wollen wir? Und was bieten wir?“

BMW Group

Rund 500 offene Ingenieursstellen hat die BMW Group derzeit auf der Liste – bei vielen davon liegt der Fokus auf IT-Qualifikationen. Recruiting-Leiter Tobias Nickel: „Die Software ist inzwischen der größte Kostenblock bei der Fahrzeug-Entwicklung.“ Elektronische Einspritzungen, Fahrwerksysteme, Abgasreinigung, Komfort-Funktionen im Innenraum – kaum eine Baugruppe kommt noch ohne die tätige Mithilfe von IT-lern aus. Für den Bereich Materialwirtschaft sind Absolventen und Young Professionals mit SAP-Kenntnissen besonders gern gesehen. Auf der Messe gilt auch für den Stand der BMW Group: Einfach vorbeikommen, Terminabsprache nicht notwendig. Eine Bitte hat Nickel allerdings: Werden Bewerbungsunterlagen abgegeben, dann sollten sie komplett sein. Alles andere würde angesichts von rund 100 000 Blindbewerbungen pro Jahr zu Puzzlespielen führen, „die man sich ersparen möchte“.

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