Zeitung Heute : Eingreifen oder nicht?

Warum Frankreich sich im Zwiespalt befindet

Sabine Heimgärtner[Paris]

Die französische Regierung hadert mit sich: Soll Paris sich an eventuellen Sofortmaßnahmen zur Befriedung des bürgerkriegsgeplagten Haitis beteiligen? Oder ist diplomatische Zurückhaltung das Gebot der Stunde? Frankreich befindet sich da nach wie vor im Zwiespalt.

Während das Außenministerium konsequenterweise schweigt, schrieb „Le Figaro“ am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise, der Vorschlag von Außenminister Dominique de Villepin, eine internationale Friedenstruppe zu entsenden, um den „politischen Dialog zu fördern“, könnte den Konflikt sogar noch verschlimmern. „Möglicherweise eine Verschärfung der gewalttätigen Lage, sozusagen eine doppelte kalte Dusche, weil jegliche Kontaktaufnahme mit den Regierenden von der Opposition in Haiti als deutlicher Affront empfunden würde“, schrieb das Blatt.

Die Opposition in Haiti betrachtet die Aristide-Regierung nämlich als illegal. Mit Hinweis vor allem auf „wiederholte Menschenrechtsverletzungen“ lehnt sie jeglichen internationalen Dialog mit den Regierenden in Port-au-Prince kategorisch ab. Paris seinerseits liegt zwar derzeit viel daran, die zerrütteten Beziehungen mit den in punkto Haiti vor allem geforderten USA wieder zu verbessern.

Aber auch Staatspräsident Jacques Chirac verhielt sich beim Empfang einer US-amerikanischen Abgeordnetengruppe vor drei Tagen eher zurückhaltend: Paris sei gegebenenfalls bereit mitzugehen – das Signal für eine politische Initiative in Haiti aber müsse aus Washington kommen, hieß die Devise.

Im Außenministerium in Paris wurde unterdessen ein Krisenstab gebildet, der sich vor allem um humantitäre Hilfsmaßnahmen kümmern soll. Frankreichs Sorge vor einer weiteren Eskalation der Lage in Haiti ist groß: vor allem, weil man befürchten müsse, schreibt die Zeitung „Le Parisien“, dass das haitianische Beispiel negative Auswirkungen auf die französischen Überseegebiete Martinique und Guadeloupe haben könnte.

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