Zeitung Heute : „Einhalt gebieten“

Der Tagesspiegel

Von Rudolf Strauch

Falls Rupert Murdoch – und nach neuesten Meldungen womöglich auch Silvio Berlusconi – die Gewaltenteilung auf dem deutschen Markt zerschlagen will, ist ihm mit allen zulässigen Kräften Einhalt zu gebieten. Falls der Medienmogul Murdoch sich allerdings als Konkurrent um Gewinnmaximierung bewirbt, ist ihm ein Einstieg in die deutsche Medienlandschaft erlaubt.

Allerdings wäre es naiv zu erwarten, dass jemand böse Absichten zugibt, vielmehr wird er sie leugnen, wenn er zu seinem eigenen Vorteil mit Macht in die bestehende Medienordnung einzubrechen versucht. Offensichtlich will Murdoch im hoch verschuldeten Kirch-Konzern Beute machen, vielleicht aber auch ü ber das Kirch-Imperium Zugang zu Springer finden. Kirch hat sich durch eigene Fehler angreifbar gemacht, und es mangelt ihm an Kapital, um die vielfältigen Verflechtungen im Film-, Fernseh- und Pressegeschäft mit merkwürdigen Auswirkungen auf die Formel 1 wie die Fußball-Bundesliga stabil zu halten.

Das ist aber lediglich die wirtschaftliche Seite des Kirch-Problems. Verlagerungen in der Meinungsführung speziell auf dem Zeitungsmarkt und mit politischen Zielen kö nnten ebenso gefährlich werden. In London hat Rupert Murdoch als Besitzer der „Times" und des Boulevardblatts „Sun" Premierminister Tony Blair den Kampf angesagt, nur weil Blair zum Euro ein bedingtes Ja geäußert hat. Nach einem innerdeutschen Gipfel in Hannover traf sich Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin mit Murdoch und dem Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff. Dem „Spiegel" sagte Leo Kirch: „Murdoch ist ein Haifisch." In Köln hingegen meint WDR- Intendant Fritz Pleitgen, die ARD habe keine Angst vor Murdoch. Doch wenn es zutrifft, dass hiesige Konzerne mit Rückendeckung von Banken zur Abwehr Murdochs eine „Deutschland-AG" aufbauen, spricht das eher für Besorgnis statt Gleichgültigkeit.

Jedenfalls hat Murdoch so viel wirtschaftliche und publizistische Macht, dass bei Freunden der Meinungsfreiheit mehr Furcht als Freude aufkommt.

Der Autor war von 1981-1989 Vorsitzender der Bundespressekonferenz.

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