Zeitung Heute : Einige rudern zurück

G 8: Erfahrungen aus anderen Bundesländern.

Aus zwei mach eins: Dass so eine Reform problemlos abläuft, wird niemand erwartet haben. Seit sich alle Bundesländer entschieden haben, die Schulzeit bis zum Abi zu verkürzen, stand fest: Doppelte Jahrgänge sind nicht zu vermeiden. Das nehmen auch die Schüler hin: „Irgend jemanden musste es treffen“, sagt der 17-jährige Lukas Müller (siehe oben).

Gespannt blickten viele Beobachter im vergangenen Jahr nach Bayern und Niedersachsen: Die bevölkerungsstarken Bundesländer entließen 2011 ihre doppelten Jahrgänge. Während in Niedersachsen Schüler des achtjährigen (G8) und neunjährigen Gymnasiums (G9) dieselben Prüfungen schrieben – wie es in Berlin und Brandenburg bevorsteht –, ging Bayern einen anderen Weg: Die Schüler wurden nicht zusammengewürfelt. Die G9-Schüler legten dort schon vor Ostern alle Prüfungen ab; bereits im Vorfeld bekamen sie ein Zeugnis, mit dem sie sich noch für das Sommersemester an den Unis bewerben konnten. Die G8-Schüler schrieben ihre Klausuren danach und bekamen die Zeugnisse im Juli.

Durch diese Struktur hatte Bayern den Vergleich zwischen beiden Gruppen. Mit überraschenden Ergebnissen: Zum einen sah sich das CSU-geführte Kultusministerium nachträglich (nachdem die Klausuren geschrieben und korrigiert waren) dazu veranlasst, den Bewertungsschlüssel für die G8-Klausuren so weit zu senken, dass einige Prüflinge doch noch die Hürde „bestanden“ nahmen. Zum anderen ergab dann aber die finale Auswertung, dass das G8-Abitur insgesamt sogar besser ausfiel als das der G9-Schüler.

In Bayern hatten vor allem Eltern und Lehrer massive Kritik am G8 geäußert – inzwischen hat die Politik reagiert: Gymnasiasten sollen bald die Möglichkeit bekommen, in der Mittelstufe ein „freiwilliges Intensivierungsjahr“ einzulegen. Die Ausgestaltung wolle er mit Schüler-, Lehrer- und Elternverbänden ausarbeiten, teilte Kultusminister Ludwig Spaenle vor wenigen Tagen mit.

Überraschende Töne – die im Einklang sind mit Entwicklungen in anderen Bundesländern: Trotz überall beschlossener Schulzeitverkürzung ist bereits in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen das Abitur nach 13 Jahren in bestimmten Fällen doch wieder möglich. Barbara Kerbel

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