Zeitung Heute : Einkaufen bis Mitternacht

Die „5. Lange Nacht des Shoppings“ will wieder einmal ihre eigenen Rekorde brechen

Cay Dobberke

Sie ist die größte einzelne Einkaufsaktion der Stadt, eine Party und aus Sicht der Veranstalter sogar noch mehr: Die Lange Nacht des Shoppings wird auch als die „größte Demonstration zur Abschaffung des Ladenschlussgesetzes auf dem Kurfürstendamm“ gewertet. Über den jeweiligen Tag hinaus soll die Veranstaltung zu einer völligen Freigabe der Verkaufszeiten beitragen. Die gegenwärtigen Vorschriften müssten durch ein „Ladenöffnungsgesetz“ ersetzt werden, findet der Hauptorganisator Tommy Erbe. Das ursprüngliche Vorbild für die Aktionen war die ebenfalls sehr erfolgreiche „Lange Nacht der Museen“ in Berlin, was man auch an der Namensähnlichkeit erkennen kann.

Als zeitlicher Anlass für die Öffnungszeiten bis Mitternacht wird immer wieder die Umstellung der Uhren gewählt – in diesem Fall von Sommer- auf Winterzeit. Nur im vorigen Frühjahr gab es eine Ausnahme. Der Wechsel zur Sommerzeit fiel mit Ostern zusammen, und die Kirchen protestierten gegen einen „Budenzauber“ am Karsamstag. Schließlich wurde der Termin um eine Woche verschoben.

Das Straßenfest dauert jeweils drei Tage. Am Sonnabend, während der eigentlichen Langen Nacht des Shoppings, soll es erst gegen drei Uhr (Sommerzeit) beziehungsweise zwei Uhr (Winterzeit) enden. Die Besucherzahl ist von etwa 150 000 bei der Premiere im Oktober vor zwei Jahren auf schätzungsweise 400 000 im vorigen Frühjahr gestiegen. Diesmal erwarten die Organisatoren bis zu 500 000 Berliner und Touristen – zumal die überregionale Werbung verstärkt und die Festmeile vergrößert wurde. In westlicher Richtung reicht das Gebiet jetzt nicht mehr nur bis zur Ecke Kurfürstendamm und Joachimstaler Straße mit dem Neuen Kranzler-Eck, sondern bis in den Straßenblock zwischen Uhland- und Knesebeckstraße. Dort öffnet erstmals der Pro Markt im Kurfürstendamm-Karree bis Mitternacht. Mit dabei ist nun auch Wertheim am Kurfürstendamm. Insgesamt erhöht sich die Zahl beteiligter Geschäfte um rund 100 auf 500.

Trotz dieses Zuwachses sollen die Straßen aber für Autos passierbar bleiben – anders als beim Kurfürstendamm-Fest der AG City oder ähnlichen Großveranstaltungen. Der Trick besteht darin, dass keine durchgängige Budenmeile mehr aufgebaut wird. Stattdessen gibt es nur noch so genannte Jahrmarkts-Inseln vor beteiligten Geschäften. Diese Lösung hat auch das bezirkliche Wirtschaftsamt akzeptiert, das auf die Einhaltung des Ladenschlussgesetzes achten musste. Ganz ohne einen Jahrmarkt mit Verkaufsständen hätte die Sondergenehmigung für die Spätöffnung der Läden und Kaufhäuser nicht erteilt werden können.

Zu den weiteren Neuerungen gehört ein Feuerwerk um Mitternacht, das auf dem Dach des Europa-Centers abbrennen soll. Außerdem werden der „Wasserklops“-Brunnen auf dem Breitscheidplatz und der Mittelstreifen der Tauentzienstraße am Wertheim-Kaufhaus blau beleuchtet. An die Fassade des Bikini-Hauses an der Budapester Straße werden Logos der Shoppingnacht projiziert. Die Blue-Band-Hotelgruppe lässt einen blauen Doppeldecker-Bus auf der Festmeile verkehren.

Auch ein Bauherr feiert diesmal mit: Der Investor OFB legt den Grundstein für sein Geschäftshaus „City Light House“ an der Ecke Joachimstaler und Kantstraße. Ungewöhnlich ist schließlich noch die Beteiligung des Bürgeramts Charlottenburg-Wilmersdorf, das bis Mitternacht auf dem Breitscheidplatz seine Dienstleistungen anbieten will.

Damit nicht nur Geschäftsleute profitieren, gibt es auch eine Aktion für einen guten Zweck, die von der Firma OFB gesponsert wird: Für zwei Euro gibt es an drei Informationsständen und in einigen Geschäften rot blinkende Anstecker in Herzform zu kaufen, die auch den Schriftzug der Einkaufsnacht tragen. Der Erlös ist für Flutopfer bestimmt.

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