Zeitung Heute : Einkaufsfalle statt Shopping-Paradies - Mangelhafte Zahlungssicherheit

Beim Einkaufen im Internet steht der Verbraucherschutz noch weitgehend hinten an. Zu dieser Einschätzung kommt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW). So blieben international zehn Prozent aller Bestellungen unbeantwortet, obwohl die Käufer im Voraus zur Kasse gebeten worden seien, kritisierten die Verbraucherschützer jetzt in Düsseldorf. Darüber hinaus gebe es bei rund einem Viertel aller Online-Shops entgegen gesetzlicher Vorschriften keine Angaben zu Name und Adresse. Als Folge könnten Kunden bei Beschwerden häufig nur schwer ihre Ansprüche rechtlich durchsetzen. Hinzu kämen in vielen Fällen auch zu hohe Liefergebühren.

"Klicken, wählen, ärgern" - so beschreibt Karl-Heinz Schaffartzik, Vorstandsmitglied der Verbraucherzentrale NRW, die Erfahrungen von Internet-Kunden. Offenbar sähen viele E-Commerce-Anbieter den Verbraucherschutz immer noch als Wachstumshemmnis an. "Doch wenn das Einkaufen im Internet zu einem erfolgreichen Wirtschafts- und Beschäftigungsmotor werden soll, braucht es breite Akzeptanz. Und die ist nur durch das Vertrauen der Kunden zu bekommen", betonte er. Die Verbraucherschützer bemängeln daher auch die häufig fehlende Zahlungssicherheit beim E-Commerce. Schaffartzik: "Viele Verbraucherdaten werden einfach unverschlüsselt durchs Netz geschickt. Da droht die Gefahr des gläsernden Bürgers, weil sich das Kaufverhalten von anderen abrufen läßt."

Als Grund für den fehlenden Kundenschutz führt die Verbraucherzentrale aber nicht nur kriminelle Energie von Internet-"Abzockern" an. "Vor allem kleine und mittelständische Online-Anbieter wissen oftmals nicht, dass es entsprechende Richtlinien etwa in puncto Adressenangabe gibt", sagt Schaffartzik. Hinzu kommt, dass Internet-Einkäufe noch weitgehend auf die Firmenwelt beschränkt sind. Schätzungen zufolge werden in Europa per Internet 1999 zwischen Unternehmen Geschäftsabschlüsse im Wert von rund 13 Milliarden DM getätigt. Auf das Geschäft mit Endverbrauchern entfallen hingegen nur rund 700 Millionen DM.

Als ersten Schritt hin zu mehr Kundensicherheit beim E-Commerce wertet die Verbraucherzentrale eine von der Europäischen Union in dieser Woche verabschiedete Richtlinie. Danach sind elektronische Signaturen künftig handschriftlichen Unterschriften gleichgestellt und damit rechtsverbindlich. Ergänzt werden müsse diese Regelung nun durch ein gesetzliches Gütesiegel für Internet-Anbieter, die sich besonders verbraucherfreundlich verhalten.

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