Zeitung Heute : Einmal retten, immer retten

Der Tagesspiegel

Wer sich fragt, warum der Kanzler und SPD-Vorsitzende gegenwärtig so grantig ist – nicht öffentlich, natürlich –, der muss nur die Bürger befragen. Und siehe da: Immer weniger finden, dass die SPD es verdient hätte, in der Regierung den Ton anzugeben. Wohl nicht zuletzt wegen der Korruptionsaffäre. 33 Prozent denken so. Derart schlecht war der Wert zuletzt Ende 1999. Danach, wir erinnern uns, ging es aufwärts. Warum? Weil Schröder eingriff, gleich zweifach zum Interventionisten wurde. Einmal im Inneren, als er den Holzmann-Konzern spektakulär rettete und sich dafür von der Belegschaft feiern ließ; im Äußeren, als Deutschland Militär nicht mehr nur zur Landesverteidigung einsetzte. Der letzte Punkt ist inzwischen erstaunlicherweise für unsere Gesellschaft kaum noch ein Thema. Holzmann wird wieder eines. Der Konzern könnte neue Hilfe gebrauchen. Die eine Intervention von Schröder sollte reichen, eine Aufbauhilfe sein, nicht der Aufbau selbst. Der Kanzler kann sich nicht immer mit einem Unternehmen befassen, hinterher wird das zum Gewohnheitsrecht. Allerdings kann er auch nur schlecht damit leben, wenn Holzmann Pleite geht. Der letzte Ausweg? Ein ausländischer Konzern hilft – durch Schröders Vermittlung. Sonst gehen die Zahlen noch weiter runter. Aber nicht die für die Arbeitslosigkeit. cas

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