Zeitung Heute : Einmal Stehplatz, bitte!

Die Fanmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule ist der größte Fanblock Deutschlands. Mehr als 250 000 Fans kamen zur Eröffnungsparty und feierten so ausgelassen wie in den Stadien. Ab heute werden die Spiele auf Leinwänden gezeigt. Ohropax kann nicht schaden. Denn es wird laut. Sehr laut. Wie in den Arenen der Fußball-WM.

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Der arme Typ in der knallroten Regenjacke hat harte Wochen vor sich. Er ist einer von 250 Ordnern, die an den Gittertoren der WM-Fanmeile stehen und die Besucher abtasten. „Jeden Einzelnen, und zwar gründlich“, mault der junge Ordner und steckt sich demonstrativ den Finger in den Mund. „Kannst dir ja vorstellen, wie viel Spaß das bei 35 Grad in der Sonne macht – wenn alle Fans schwitzen, wa.“

Die gesamte Fanmeile auf der Straße des 17. Juni ist umzäunt, weiträumig auf einer Länge von mehr als fünf Kilometern Länge. Am Mittwochabend fand dort die Berliner WM-Eröffnungsfeier statt, mit Rockbands wie den Sportfreunden Stiller („’54, ’74, ’90, 2006“) oder der Sängerin Nelly Furtado („Forca“, dem Song der Europameisterschaft vor zwei Jahren in Portugal). Es war ein ausgelassenes Spektakel, und die Ordner mussten mehr Menschen Fans abtasten als gedacht: rund 200 000 Gäste feierten zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule.

Zwölf Eingänge gibt es entlang der Fanmeile (siehe Grafik), an denen den Fans Flaschen oder Wurfgeschosse abgenommen werden. Wenn die deutsche Mannschaft heute Abend ihr Eröffnungsspiel bestreitet, sind die Eingänge schon lange geöffnet. Jeden Tag beginnt das Fest auf der WM-Meile um 11 Uhr, wenig später werden auch schon die Leinwände angeschaltet.

Das Bier kostet auf der Meile 3,50 Euro (0,4 Liter), die Bratwurst 2,50 Euro. Wer auf Toilette will, muss ebenfalls an Kleingeld denken. Die Dixie-Toiletten stehen zwar am Bordsteinrand, die Pächter verlangen jedoch 50 Cent Gebühr (bei der Eröffnungsfeier haben viele Fans nach dem dritten Bier daher lieber den Weg ins Gebüsch gesucht). Immerhin: Der Eintritt zur Meile ist frei.

Ab morgen finden dann bis zu drei WM-Spiele hintereinander statt; das erste um 15 Uhr bestreiten übrigens die Engländer gegen Paraguay. Wer am späten Abend nicht schon auf den Wiesen im Tiergarten entspannt oder in die Kneipen und Clubs weitergezogen ist, kann auf der Fanmeile weiterfeiern. Nach Schlusspfiff werden DJs auflegen wie schon bei der Eröffnungsfeier, als tausende Fans im dunklen Tiergarten tanzten.

Im Übrigen muss niemand besorgt sein, er könnte den Kommentator nicht verstehen. Im Abstand von gefühlten fünf Metern stehen riesige Boxen, die bei der Eröffnungsfeier arg weit aufgedreht waren. Laut war es, sehr laut, fast wie im Stadion.

Mit dem Auto muss erst gar niemand anreisen, da das Areal weiträumig abgesperrt ist. Sehr nahe befinden sich die Bahnsteige des S-Bahnhofs Unter den Linden; praktischer ist die Anreise zum neuen Hauptbahnhof – dort gibt es weniger Gedränge.

An diesem Sonntag beginnt die Fernsehübertragung auf der Fanmeile sogar noch früher: Dann wird das Formel-1-Rennen in Silverstone (England) gezeigt. Ist ja auch eine WM. André Görke

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